Jesuit Hengsbach kritisiert "Reformspektakel"

Frankfurt, 16.3.2004 (KNA). Als "Reformspektakel" hat der katholische
Sozialethiker Friedhelm Hengsbach die Sozial- und Arbeitsmarktpolitik der
Bundesregierung kritisiert. Jahrhundertwerke seien angekündigt gewesen, am
Ende sei es beim "Sparen, Kürzen, Streichen" geblieben, bemängelte der
Jesuitenpater am Dienstag in Frankfurt beim Jahresempfang der evangelischen
Diakonie in Hessen und Nassau. Er beklagte, zwischen der Bundesregierung und
der Opposition gebe es einen Wettbewerb, sich in sozialen Einschnitten zu
überbieten.

So lange der menschliche Faktor ausgeblendet bleibe, erzeugten hektisch
diskutierte Einsparungen ein depressives Klima, das Perspektiven einschnüre
und Abwärtsspiralen auslöse, sagte Hengsbach. Er wies darauf hin, dass -
flankiert von öffentlichen und privaten Investitionen - neue Märkte
erschlossen werden könnten, etwa durch eine ökologische Umsteuerung der
Energie- und Verkehrssysteme.

Hengsbach betonte, um die soziale Sicherung zu finanzieren, dürfe die
Grundlage der Solidarität nicht verengt, sondern müsse vielmehr erweitert
werden. Nicht nur die Arbeitseinkommen der abhängig Beschäftigten, so
Hengsbach, sondern alle in der Gesellschaft erzielten Einkommen könnten
progressiv beitragspflichtig sein.

Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040316t144345046.htm


Oswald von Nell-Breuning-Institut
(Kath. Hochschule Sankt Georgen)
http://www.st-georgen.uni-frankfurt.de/nbi/


Literaturhinweise zum Thema:

Friedhelm Hengsbach: Die andern im Blick.
208 Seiten, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3534118979/wystrach

Friedhelm Hengsbach, Matthias Möhring-Hesse:
Aus der Schieflage heraus.
Demokratische Verteilung von Reichtum und Arbeit.
208 Seiten, Verlag Dietz, Bonn 1999
http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/380120278X/wystrach