Jesuit
Hengsbach: Betriebsrenten-Kappung zerstört Unternehmenskultur
Frankfurt, 8.1.2004 (KNA). Die Kappung und Kürzung der Betriebsrenten bei
der Commerzbank und Gerling zerstört nach Ansicht des Sozialethikers
Friedhelm Hengsbach die für den deutschen Wirtschaftsstil prägende
Unternehmenskultur. Mit den Beschlüssen sei die vertrauensvolle
Zusammenarbeit zwischen Unternehmensleitung und Belegschaft
"spektakulär"
aufgekündigt worden, sagte der Jesuit am Donnerstag in Frankfurt der
Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Hengsbach befürchtet einen
Schneeballeffekt bei weiteren Unternehmen. Zugleich bezeichnete es als
"geschmacklos", dass bei der Commerzbank die Vorstandsgehälter von
der
Kürzung ausgenommen seien.
Zugleich zerstörten die Entscheidungen zu den Betriebsrenten auch das
Verhältnis zwischen Wirtschaft und Politik. Mit der Kappung der
Betriebsrenten werde eines der drei Standbeine der Altersvorsorge
zerschlagen. Hengsbach bezeichnete die Beschlüsse der Commerzbank und
Gerlings als "Ohrfeige" gegenüber der rot-grünen Bundesregierung.
"Es zeigt
sich, auf welch wackeligen Beinen die Reformpolitik steht." Es gelinge
trotz
der Zugeständnisse an Unternehmen nicht, diese mit ins Boot zu holen. Daran
sei auch schon die Regierung unter Helmut Kohl gescheitert. Der
Sozialethiker kritisierte, dass sich deutsche Unternehmen zu sehr am
amerikanischen Wirtschaftsstil des "shareholder value" orientierten
und aus
dem Platzen der Spekulationsblase nichts gelernt hätten.
Quelle:
http://www.kna.de/webnews/kwn0_472prs865qylo/kwn0-20040108t112858562.htm