Islamistischer Mordaufruf gegen Islam Kritiker Raddatz

Einem Bericht des TV-Magazins »Report« zufolge ist auf der islamischen

Internetseite » www.Muslim-Markt.de « zum Mord an dem islam-kritischen

Publizisten Hans-Peter Raddatz aufgerufen worden. Ein Sprecher der

zuständigen Staatsanwaltschaft in Oldenburg bestätigte, diese prüfe

Ermittlungen gegen den Betreiber des Forums.

DPA/AP

Quelle: Frankfurter Rundschau, 18.10.05, S. 4

 

 

Mordaufruf auf muslimischer Website?

 

Berlin. Das islamistische Internetportal "Muslimmarkt" hat mit einem angeblichen Mordaufruf für

Wirbel gesorgt. Das Bundesinnenministerium warf den Betreibern vor, fundamentalistische und

antisemitische Hetze zu betreiben. Der innenpolitische Sprecher der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion,

Koschyk, verurteilte den - inzwischen gelöschten - in Gebetsform gefassten Aufruf gegen den

Publizisten und Islamforscher Hans-Peter Raddatz.

 

Der Sprecher des Innenministeriums, Lingenthal, verwies auf ein in- zwischen eingeleitetes Ermittlungs-

verfahren der Staatsanwaltschaft Wiesbaden. Es bleibe die Frage, ob der Aufruf eine versuchte

Anstiftung zum Mord oder Totschlag sei. Oft seien die Betreiber derartiger Seiten aber so geschickt,

dass sich eine Straftat nicht nachweisen lasse. Im Verfassungsschutzbericht wird das Internetportal

als extremistisch eingestuft. Lingenthal kritisierte, dass einer der Betreiber Angestellter der Universität

Bremen ist und stellte die Frage, "ob so jemand in einer Institution, für die Kritik geradezu essenziell

und lebenswichtig ist, bleiben kann".

 

Der "Muslimmarkt" wies den Vorwurf zurück, einen Mordaufruf veröffentlicht zu haben. Die Löschung

des Textes begründeten die Betreiber der Internetseite mit dem Hinweis eines Informanten: "Er fragte

uns, was wir denn tun würden, wenn jetzt ein Islamhasser der benannten Person irgendetwas antut und

dann versucht, es irgendwelchen Muslimen in die Schuhe zu schieben."

 

Quelle: Frankfurter Neue Presse, 20.10.05, S. 2

 

 

Kündigung nach Mordaufruf

Nach einem angeblichen Mordaufruf im Internet gegen einen Islamforscher hat einer der

Beschuldigten berufliche Konsequenzen gezogen. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Uni

Bremen kündigte am Donnerstag nach 16 Jahren sein Angestelltenverhältnis. Er soll ein Betreiber

des islamistischen Internetportals "Muslimmarkt" sein, wo der angebliche Mordaufruf gegen den kritischen

Islamforscher Haus-Peter Raddatz veröffentlicht worden sein soll.

DPA

 

Quelle: Frankfurter Rundschau, 21.10.05, S. 4

 

 

BKA entlastet Islamisten

 

Kein Mordaufruf im Internet

 

BREMEN .Das Bundeskriminalamt (BKA) hat einen islamischen Fundamentalisten von dem Vorwurf entlastet, er habe zur Ermordung des Islam-Kritikers Hans-Peter Raddatz aufgerufen. Staatsanwalte ermitteln aber weiter.

 

Der türkischstämmige Deutsche hatte in seinem Internetforum "Muslim-Markt" einen "Gebetsvorschlag" veröffentlicht: " Wenn der Islam so ist, wie Herr Raddatz es immer wieder vorstellt, dann möge der allmächtige Schöpfer alle Anhänger jener Religion vernichten! Und wenn Herr Raddatz ein Hassprediger und Lügner ist, dann möge der allmächtige Schöpfer ihn für seine Verbrechen bestrafen."

 

Der inzwischen unter Polizeischutz stehende Raddatz sah darin einen Mordaufruf, ebenso wie zwei Religionswissenschaftler, die von der ARD-Sendung "Report Mainz" zitiert wurden. Ein Türkeiwissenschaftler widersprach dieser Sicht mittlerweile im Deutschlandradio.

 

Nach einer Anzeige von Raddatz, der im Raum Wiesbaden wohnt, leitete die dortige Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten ein; sie gab das Verfahren dann aber an die Staatsanwaltschaft Oldenburg ab, die für den Wohnort des Mannes in Delmenhorst bei Bremen zuständig ist.

 

Wie ein Wiesbadener Justizsprecher der FR bestätigte, bewerten BKA-Gutachter den Text nicht als Mordaufruf. Die Oldenburger Staatsanwalte wollen den Fall dennoch weiter prüfen, denn die BKA-Expertise sei nur eine Entscheidungshilfe, hieß es.

 

Zuvor hatte der promovierte Ingenieur überraschend seine Stelle bei der Universität Bremen gekündigt, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitete. Laut Rektor Wilfried Müller galt er als "sehr solider Wissenschaftler". Der Moslem sagte am Freitag der FR, mit der Eigenkündigung wolle er Schaden von der Hochschule abwenden. So gehöre es sich für einen "anständigen Menschen ". Der 46- Jährige verteidigte sich im Internet damit, in dem "Gebet" werde "zwei- felsfrei darauf verwiesen, dass nicht der Mensch, sondern Gott allein gegebenenfalls eine Strafe - und erst im Jenseits - ausübt". In Verfassungsschutzberichten wird er als islamistisch, antizionistisch und extremistisch eingestuft.

ECKHARD STENGEL

 

Quelle: Frankfurter Rundschau, 22.10.05, S. 5