Islamisten in Hessen haben Zulauf

 

Innenminister Bouffier stellt Verfassungsschutzbericht vor / "Terrornetzwerke ohne zentrale Steuerung" / Aggressive Agitation

 

Der Islamismus ist für Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) die "zentrale Herausforderung" für den Verfassungsschutz. 2005 stieg die Zahl der Mitglieder islamistischer Organisationen in Hessen laut Bouffier um 250 auf 5000 Personen.

Wiesbaden "Deutschland ist ein Aktionsraum, in dem Unterstützer des islamistischen Terrors zu finden sind und der zum Anschlagsziel werden könnte", stellte Hessens Innenminister Volker Bouffier bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 2005 in Wiesbaden fest. Neuere Erkenntnisse über geplante Anschläge im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft lägen allerdings nicht vor, sagte Bouffier.

Besorgt äußerte sich Bouffier jedoch über die Zunahme der Mitglieder in islamistischen Organisationen. 250 Personen mehr als noch im Vorjahr 2004 rechnet der Verfassungsschutz jetzt dem Personenkreis islamistischer Organisationen zu. Damit zählt der Verfassungsschutz in Hessen rund 5000 Personen zum islamistischen Umfeld.

Auch in Hessen seien Unterstützer des islamistischen Terrors zu finden. Dabei gehe die Gefährdung nach Ansicht des Verfassungsschutzes nicht mehr primär von Tätern aus, die aus dem Ausland einreisten. Das Potenzial, das sich radikalisieren könne, sei bereits in den Aufenthaltsländern vorhanden, wie die Anschläge von Madrid und London gezeigt hätten, meinte Bouffier. Auch in Hessen gäbe es Islamisten, die in "Terrornetzwerken ohne zentrale Steuerung" organisiert seien, diese unterstützten oder sich in deren Umfeld bewegten, fasste Bouffier die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes zusammen.

Ohne konkrete Zahlen oder Orte zu benennen, sprach Bouffier auch von "islamistischen Moscheen in ganz Hessen", in denen zunehmend eine "verstärkte aggressive Agitation und Indoktrination" feststellbar sei. Dort werde der "Heilige Krieg" propagiert und zum "Kampf gegen Ungläubige" aufgerufen. Das bedeute jedoch nicht, dass der Islam als Religion beobachtet werde.

Als "beunruhigendes Phänomen", sei ein "mit unglaublicher Primitivität und Aggressivität auftretender Antisemitismus" in den Netzwerken, aber auch den Medien des Islamismus 2005 vermehrt aufgefallen. Da zeichne sich auch eine mögliche Nähe zu den Neonazis und ihrem Gedankengut ab. Der Direktor des Landesamtes für Verfassungsschutz, Lutz Irrgang, der in diesem Jahr aus Altersgründen ausscheiden wird, konnte dabei jedoch nur auf Erkenntnisse aus anderen Bundesländern verweisen. .........

Frankfurter Rundschau 10.5.06, S. 24

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_und_hessen/lokalnachrichten/frankfurt/?em_cnt=879288&sid=371b05cdc1d47e987d3fdb47285da576