Islamisten
setzen „Ungläubige“ an Deutscher Schule in Kairo unter Druck
Von Udo Ulfkotte
Kairo. An der Deutschen Schule in Kairo werden Vorfälle untersucht, nach
denen ein ägyptischer Lehrer im Religionsunterricht die Kinder mehrfach dazu
aufgerufen haben soll, «Ungläubige zu schlagen, wo immer ihr auf sie trefft».
Der Leiter der Schule, Rupert Baab, bestätigte auf Anfrage «gewisse Probleme».
Auch sein Vorgänger hatte schon vor mehr als einem Jahr auf solche Vorkommnisse
hingewiesen.
Im Oktober hatten sich mehrere Eltern an die deutsche Botschaft gewandt und
sich über dem christlich-islamischen Dialog widersprechende Unterrichtsinhalte
beschwert. Nach Angaben deutscher Eltern sollen Nicht-Muslime im islamischen
Religionsunterricht der Schule als «minderwertig» bezeichnet und Kinder danach
gefragt worden sein, ob sie die Gebetszeiten einhielten und sich im Ramadan am
Fasten beteiligten. Aus dem ägyptischen Erziehungsministerium war dazu keine
Stellungnahme zu erhalten.
Die Bundesregierung bezuschusst die Deutsche Schule in Kairo
jährlich pro Kind mit rund 2500 Euro. Aus Kreisen der deutschen Botschaft hieß
es, man werde jetzt darauf dringen, die «dialogfeindlichen Ausfälle» zu
beenden.
Die betroffenen Kinder kommen ausschließlich aus binationalen Ehen. Aus der
Schulleitung hieß es dazu allgemein, dass «gewisse Probleme seit längerer Zeit
schon bekannt» seien. Aus Furcht vor möglichen Nachteilen für ihre Kinder waren
die betroffenen Eltern aber bislang nicht direkt an die Schulleitung
herangetreten.
Schon der frühere Schulleiter Wolfgang Seibert hatte im August 2004 offenbar
vergeblich auf die Schwierigkeiten aufmerksam gemacht und in einem Aufsatz über
die deutsche Schule berichtet: «So werden christliche Mütter immer wieder von
ihren Kindern daraufhin befragt, ob es denn stimme, dass alle Christen in die
Hölle kommen, wie das ein (islamischer) Lehrer ihnen erklärt habe.» Nach den
neuen Vorfällen sagte der seit August amtierende neue Schulleiter Baab: «Ich
werde mit den Kollegen sprechen und zu einer Lösung kommen. Wir werden das
abstellen.»
Nicht abstellen können werden Botschaft und Schulleitung ein anderes Ärgernis:
Weil die Schulbücher für den arabischen Unterricht vom ägyptischen Erziehungsministerium
vorgegeben sind, lernen schon Sechsjährige an der deutschen Schule
Unterrichtsinhalte, in denen es etwa heißt: «Ich lebe für Ägypten – ich sterbe
für Ägypten.» Zudem ist es kein Geheimnis, dass einige der ägyptischen Lehrer
an der deutschen Schule Unterrichtsinhalte bewusst schwer gestalten, um
nebenher mit Nachhilfestunden ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Mit
durchschnittlich 2500 ägyptischen Pfund (etwa 310 Euro) verdient ein
ägyptischer Lehrer an der Deutschen Schule etwa das Zehnfache des Gehalts eines
in einer staatlichen ägyptischen Schule beschäftigten Lehrers.
An der Deutschen Schule unterrichten 110 Lehrer derzeit 1230 Kinder, achtzig
Prozent sind Muslime. Von der siebten Klasse an dürfen muslimische Mädchen an
der Schule im Unterricht ein Kopftuch tragen. Die 1873 gegründete Deutsche
Evangelische Oberschule ist die älteste deutschsprachige Einrichtung in
Ägypten. Als eine von der deutschen Kultusministerkonferenz anerkannte
integrierte Begegnungsschule bietet sie für Kinder von in Ägypten tätigen
Deutschen sowie für Kinder aus binationalen Ehen den Haupt- und
Realschulabschluss sowie die allgemeine deutsche Reifeprüfung an. Auch können
junge Ägypter mit der Thanaweya-Amma-Prüfung die ägyptische Hochschulzulassung
erreichen.
Zu Beginn des Schuljahres hatte es innerhalb der deutschen Auslandscommunity in
Kairo Verstimmung darüber gegeben, dass der Sonntag als schulfreier Tag vom
neuen Schuljahr an aufgegeben wurde. Auch mit der Aufgabe des christlichen
Ruhetags an einer christlichen Begegnungsschule habe man im Dialog «das falsche
Zeichen gesetzt», heißt es aus den Reihen der Elternschaft. Schulfrei ist nun
freitags und samstags.
Quelle: Fankfurter Neue Presse, 15.11.05, S. 4
http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=2610702