Das christlich-islamische Verhältnis ist angespannt
Von W. Wagner (Timmendorfer Strand)
Nach dem Anschlag des 11. September in den USA stellten sich christliche Kirchen schützend vor die Muslime. In den Solidaritätsadressen ging unter, wie schwierig der christlich-islamische Dialog ist. Bei der Synode der Evangelischen Kirche in Deutsch- land (EKD) in Timmendorfer Strand wurden die Spannungen deutlich.
Schon im Bericht des EKD-Ratsvorsitzenden Manfred Kock zu Beginn der Synode klang an, dass es im Verhältnis der Reiligionsgemeinschaften knirscht. Der Dialog sei nicht einfacher geworden, manche Muslime schotteten sich völlig ab, bemängelte Kock. Wer für wen spreche, sei unklar. Er riet den Christen, wesentliche Überzeugungen klar zu äußern: die Trennung von Staat und Kirche, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder die Anerkennung des Gewaltmonopols des Staates. Doch vor allem auch theologische Fragen belasteten das Gespräch.
So will sich etwa Kirchenpräsident Peter Steinacker von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau nicht ständig von den Muslimen sagen lassen, daas das, was ich glaube, falsch ist. Hintergrund dazu ist, dass Muslime in Jesus nicht wie Christen den Sohn Gottes sehen. Außerdem heißt es im Koran, die Christen hätten die Botschaft Jesu verfälscht. Steinacker hält den Muslimen mangelnde Dialogbereitschaft und Toleranz vor. Der Islam verstehe Dialog als missionarische Aufgabe, was eine schlechte Voraussetzung für Gespräche sei. Als Beleg für mangelnde Toleranz nennt er, dass in islamischen Gesellschaften Christen Menschen zweiter Klasse seien. Das Gespräch müsse theologisch viel schärfer geführt werden. Dass das derzeit nicht geschieht, liegt nach Ansicht des Berliner Bischofs Wolfgang Huber vor "ein an den Christen, die zu wenig vom eigenen Glauben wüssten.
Die Hamburger Bischöfin. Maria Jepsen warnte hingegen vor einer Uberfrachtung des Dialogs. Man dürfe den Islam nicht an den spitzen Aussagen seiner Theologie' messen, sagte Jepsen der FR. Sie weigere sich auch, hinter jedem Muslim jemanden mit Schwert' zu sehen. Die Bischöfin hat vielmehr Angst, dass durch die heftige Debatte der dünne Gesprächsfaden wieder gekappt werde. Ohnehin zögen sich viele Muslime zurück.
Den Dialog abbrechen wollen die Christen nicht. Zum Gespräch gebe es angesichts von mehr als drei Millionen Muslimen in Deutschland keine Alternative. Und der Berliner Theologieprofessor Richard Schröder erläuterte zum besseren Verständnis den historischen Hintergrund des Problems: Der Islam als nachchristliche Weltreligion habe sich eine Meinung von den Christen gebildet. Die sei nicht besonders positiv und stehe im Koran. Mit den Buddhisten sei der Dialog einfacher'""
Quelle: Frankfurter Rundschau, 6.11.02, S. Mit Buddhisten ist es leichter