Wie tolerant ist der Islam ?

Christen in der Türkei.

Bei unseren Gesprächen mit Vertretern von Hanauer Moscheen betonten diese immer wieder, daß der Islam tolerant sei. Wie sieht die Realität z.B. in der Türkei aus?

Zu diesem Thema finden sich in Publik Forum , 8. 3.2002, S. 66 in dem Artikel von B. Hauser mit dem Titel: " Frau Mimi Silinski und ihr Traum vom Pascha" aufschlußreiche Informationen. Dort heißt es: ...."Seit Kemal Atatürks »laizistischer« Revolution von 1923 dürfen in der Türkei keine Gotteshäuser mehr errichtet werden. Während aber Moscheen weiterhin gebaut werden, erteilen die Behörden den Bauanträgen der Christen Absagen. »Offiziell gibt es uns nicht. Als Kirche dürfen wir nicht existieren, sagt Thome (katholischer Pfarrer in Istanbul). ...... »Bei allem, was ich nach außen tue, muss ich vorsichtig sein. Es könnte als Missionierung missverstanden werden, die strafbar ist.«

Es gibt keine spektakulären Schikanen gegen die Christen. Der Staat legt ihnen eher beiläufig Steine in den Weg. Da Kirchen im türkischen Recht nicht vorgesehen sind, darf Thome nicht als Priester nach Istanbul, sondern nur mit dem Status als sozialer Mitarbeiter des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland. Da die Kirchen keine Grundstücke besitzen dürfen, musste eine Aktiengesellschaft unter dem Vorsitz von germanophilen Ärzten, Anwälten, Professoren gegründet werden. Über sie laufen alle Geschäfte ab. »Wir dürfen nicht einmal ein Telefon bestellen ohne den Umweg über die AG«, sagt Thome. Allerdings relativiert er: »Die Türken lassen in der Praxis mehr zu, als auf dem Papier erlaubt ist. « Wohl wissen die Behörden von der Kapelle, aber die Beamten gucken einfach nicht so genau hin, wenn sie zum Ortstermin in den Garten kommen, weil der Pfarrer einen Spielplatz für die Mutter- Kind-Gruppe bauen will.

Doch das Laisser-faire der türkischen Behörden im Kleinen sei kein befriedigender Zustand, sagt Thomes evangelischer Kollege Gerhard Duncker: »Es gibt keine Rechtssicherheit.< Zahlreiche Gebäude, die Stifter den alteingesessenen orthodoxen Kirchen vermacht hatten, wurden in den vergangenen Jahrzehnten vom Staat enteignet. .........

Auch die evangelische Gemeinde lebt vor allem von den Akademikern, die für einige Jahre in Istanbul leben. »jedes Jahr haben wir 25 Prozent Fluktuation«, sagt Pastor Duncker: Hier ist das Wort vom »,wandernden Gottesvolk« eine Realität. ..........

Kontakte zu den muslimischen Gemeinden gibt es so gut wie nicht. Thome berichtet, dass die Katholiken einmal die Fühler ausstreckten, aber auf kein Interesse gestoßen seien. Pastor Duncker sagt: »Erst wenn der Orthodoxe Patriarch - das Ehrenoberhaupt der Orthodoxie in aller Welt - in der Hagia Sophia wieder einen Gottesdienst feiern darf, ist es sinnvoll, zusammenzuarbeiten.« Toleranz muss gegenseitig sein, meint Duncker. »Die Christenheit wird gedeckelt. «

Das Bekenntnis ist im türkischen Pass nachzulesen. Manche Berufe seien Christen erwehrt. »Es gibt keine christlichen Offiziere Uni-Professoren, Abgeordnete.« Noch gibt es etwa 100 000 Christen mit türkischem Pass. Ein verschwindend geringer Teil gegenüber dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals war jeder fünfte Bewohner auf dem Gebiet der heutigen Türkei Christ, in Istanbul fast jeder zweite. Unter anderem sorgte der mehr oder weniger erzwungene Exodus der Griechen dafür, dass Christen heute eine verschwindende Minderheit in der Türkei ist. »Für die Kirchen in der Türkei müssten dieselben Rechte selbstverständlich sein, wie sie - vom Bau von Moscheen bis zur Entsendung von Imamen - für Muslime in Deutschland gelten«, fordert Duncker. 1971 schloss der türkische Staat die privaten Hochschulen - das Aus für das Theologiestudium der Orthodoxie in der Türkei. Das Verbot privater Hochschulen wurde inzwischen der aufgehoben. Hunderte Schulen bilden Imame aus. Die Theologische Hochschule der Griechisch-Orthodoxen Kirche bleibt trotz internationaler Proteste geschlossen."

Nach wie vor möchte die Türkei Mitglied der Europäischen Union werden. Der aktuelle Umgang mit den christlichen Religionen entspricht nicht den westlichen Vorstellungen von Toleranz. Es sei dahingestellt, wie sich die aktuelle Gesetzeslage und Praxis in der Türkei bezüglich des Umgangs mit Christen mit den europäischen Rahmenrichtlinien und Gesetzen vereinbaren läßt.

Bisher sind die Vertreter der Hanauer Moscheen, die immer wieder die Toleranz des Islam betonen, nicht dadurch aufgefallen, daß sie die gleichen Rahmenbedingungen für Christen in der Türkei befürworten, wie sie die Mulsime in Deutschland genießen.

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