Kopftuch

 

Anmerkungen zu einer Podiums Diskussion zum Thema Kopftuch in Hanau am 19.4.04

 

Zuerst sei auf folgendes hingewiesen:

 

-         Das Wort, Schleier (Hidjab), kommt im Koran nicht vor. (Khoury, Islam Lexikon, S. 665 ff )

-         Beim Schleier gibt es fünf Typen:

Körperschleier,

Gesichtsschleier,

Halbschleier,

Gesichtsmaske

Kopftuch. (Khoury, Islam Lexikon, S. 666 ff)

-         Schwarzafrikanische Muslima kennen keinen Schleier. Ähnlich ist es bei vielen Muslimen in Asien und in Bosnien (Bassam Tibbi, Der Islam und Deutschland, S.45).

 

„Die Gründe für die Verschleierung von Frauen in der islamischen Welt sind sehr vielschichtig. Sicher ist, dass schon in vor- islamischer Zeit auf der arabischen Halbinsel von Frauen und Mädchen Schleier verwendet wurden; doch scheint es sich hier um ein Kleidungsstück vor allem der Oberschicht gehandelt zu haben. Es besteht zumindest die Vermutung, dass der Einfluss von iranischen und byzantinischen Vorbildern hier nicht ohne Bedeutung gewesen ist. Nur unter großen interpretatorischen Bemühungen sind aus dem Koran oder den Prophetentraditionen Verschleierungsgebote abzuleiten. In der Regel wird mit dem Koranvers 33,59 argumentiert: "0 Prophet, sage deinen Gattinnen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen etwas von ihren Überwurf (djilbab) über sich herunterziehen. Das bewirkt eher, dass sie erkannt werden und dass sie nicht belästigt werden. Und Gott ist voller Vergebung und barmherzig. ....

 

In den Überlieferungen und Korankommentaren ist die Bedeutung des Wortes "Djilbab" unsicher. Es kann sich um einen Mantel gehandelt haben, der auch zur Verhüllung des Gesichts verwendet werden konnte. Doch sind auch andere Interpretationen möglich. Sicher ist, dass der Vers darauf abzielte, den freien Musliminnen gegenüber den Sklavinnen ein nach außen hin deutliches Unterscheidungsmerkmal zu verschaffen. Im Laufe der Geschichte dieses Kleidungsstücks im Islam traten immer mehr Varianten in Erscheinung, von denen man wohl nicht annehmen kann, dass sie schon in der islamischen Frühzeit üblich waren.

(Khouty, Islam Lexikon, S. 666 ff)

 

Ein anderer Autor, Christoph Luxenberg, weist auf Übersetzungsprobleme hin, welche die Kopftuchfrage in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. "In einer Passage in Sure 24, Vers 31 heißt es arabisch gelesen: Sie sollen ihre Chumur auf ihre Taschen schlagen! Diese unverständliche Passage wurde dann so interpretiert, dass sie sich ihre Kopftücher über ihre Brüste ziehen sollen. Syro-Aramäisch ist es aber so zu verstehen, dass sie sich ihre Gürtel um die Lenden (Taille) schnallen sollen."

Quelle: Lesarten des Korans, Kopftücher oder Gürtel, Jungfrauen oder Weintrauben? Über die zutreffende Übersetzung des heiligen Buchs des Islam streiten die Experten, VON ALFRED HACKENSBERGER, Frankfurter Rundschau 15.4.04, S. 17

Auf Drängen muslimischer Freunde hat sich der Autor des Buches, ein deutscher nichtislamischer Wissenschaftler das pseudonym Christoph Luxenberg zugelegt, damit ihm nicht dasselbe Schicksal wie Salman Rushdie drohe.  

 

Warum bestehen Muslime, trotz der unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten des Koran so auf dem Kopftuch?

 

In der Diskussion mit Muslimen, ganz egal zu welchem Thema, gilt folgendes zu beachten:

-         Nach Auffassung von Spuler-Stegemann und Bassam Tibbi gehören in Deutschland die meisten Islamischen Dachverbände orthodoxen oder islamistischen Richtungen an (vgl. Spuler –Stegemann, Muslime in Deutschland; Bassam Tibi, Der Islam und Deutschland). Daher ist es wichtig genau hinzuschauen, mit wem rede ich, zu welcher Gruppierung gehört mein Gesprächspartner?

 

-          „Im Diskurs des zeitgenössischen politischen Islams ist die westliche Aufklärung im Vergleich zur islamischen Aufklärung als „Finsternis“ bezeichnet worden; sie sei nicht nur sehr gefährlich, sondern teuflisch. Die wesentlichen Begriffe, die mit der Aufklärung zusammenhängen – Redefreiheit, Gedankenfreiheit und die Freiheit akademischer Forschung – werden nicht vorbehaltlos begrüßt. Sie dürfen nur sparsam verwendet werden, um mit islamischen Werten vereinbar zu sein.

 

Äußerungen zum Koran oder Interpretationen führen vielfach zu heftige Reaktionen bei Muslimen. „Faruq Foda, ein ägyptischer Gelehrter, wurde auf offener Straße erschossen. Nasr Hamed Abu Zaid musste Ägypten verlassen, nachdem man ihn von seiner Frau zwangsgeschieden hatte, und Professor Suliman Basheer wurde von seinen Studenten an der Universität von Nablus aus dem zweiten Stock geworfen. Er hatte ihnen gesagt, der Islam würde sich nur langsam entwickeln und noch nicht ganz mit den Aussagen des Propheten Mohammed übereinstimmen.

 

Als Rechtfertigung dieser Taten, wie auch des Angriffs auf Literaturnobelpreisträger Nagib Machfus oder der Fatwa gegen Salman Rushdie, dient der Vorwurf der "Verunglimpfung des Korans", also die "Infragestellung des unantastbaren Wortes Gottes". Wer kritisiert ist ein Apostat, und der Abfall vom rechten Glauben kann in manchen Ländern mit dem Tode bestraft werden.    .... Liberale Interpreten des Islam müssen um ihr Leben fürchten“

Quelle: Nasr Hamid Abu Said  „Licht der Himmel und der Erde“ DIE ZEIT 31.12.2003 Nr.2

 

-         Die Stellung der Frau in islamischen Ländern ist im allgemeinen durch die patriarchalische Ordnung und durch die Zuweisung fester Rollen im Familienverband bestimmt. Die patriarchalische Rolle wurde zum Auslegungskriterium des Koran (Vgl. Sure 2,282)

 

Der Auslegung des Korans sind nach Auffassung islamischer Autoritäten enge Grenzen gesetzt. Weitgehend wird der Koran wortwörtlich genommen.

 

 »Die Säulen und Prinzipien des Islam wurden durch Allah verkündet. Deshalb besitzt der Islam bis in alle Ewigkeit und überall auf der Welt Gültigkeit. Eine Reform ist unnötig und unakzeptabel«. (Scheich Gad Al Haq von Al Azhar in Kairo)

Nach: Jan Goodwin, Der Himmel der Frau ist unter den Füßen ihres Mannes, Muslimische Frauen erzählen, Frankfurt 1999, S. 457 f

 

Warum nahmen von muslimischer Seite nur Juristen und kein Imam, als islamischer Fachtheologe, an der Hanauer Podiumsdiskussion teil?

 

Auf dem oben aufgezeigten Hintergrund kann es nach dem Verständnis orthodoxer und islamistischer Gruppen keine theologischen Auseinandersetzung um den Koran geben. Insofern wird sich kein Imam dieser Richtungen auf eine Diskussion einlassen – schon gar nicht mit Nichtmuslimen. Im christlich islamischen Arbeitskreis haben wir dieselben Erfahrung machen müssen.

 

Warum sollte denn ein Muslim auch mit Nichtmuslimen über eine Interpretation des Koran diskutieren? Schließlich schreibt der Koran genau vor, wie mit Angehörigen der Buchreligionen (also bekennende Juden und Christen), Ungläubige und Abgefallene (Apostaten) umzugehen ist:. vgl. hierzu: ausgewählte Koranstellen.  http://www.wir-sind-kirche.de/fulda-hanau/Koran_ausgewaelte_Stellen.htm

 

Auf diesem Hintergrund stellt sich dann die Frage nach der Toleranz im Islam.

 

H-A Link

 

Vgl. Bei einer Podiumsdiskussion zum geplanten Kopftuchverbot prallten die Meinungen hart aufeinander (Frankfurter Rundschau)

http://www.wir-sind-kirche.de/fulda-hanau/Islam_Hanau_Podium_Kopftuchverbot.htm

 

Aussagen des Koran über Frauen

http://www.wir-sind-kirche.de/fulda-hanau/Islam_Koran_Aussagen_ueber_Frauen.htm