Islam: Kopftuchverbot in
Frankreich nimmt erste Hürde Überblick
Paris/Düsseldorf (AP)
Bestrebungen für ein Verbot des islamischen Kopftuchs an Schulen oder im ganzen
öffentlichen Dienst nehmen konkrete Formen an. Die französische
Nationalversammlung in Paris verabschiedete am Dienstag in erster Lesung einen
Gesetzentwurf über ein Verbot auffälliger religiöser Zeichen an öffentlichen
Schulen. In Wiesbaden billigte die hessische CDU-Landtagsfraktion einen
Entwurf, der allen Beamtinnen das Kopftuchtragen im Dienst untersagt. In der
rot-grünen Koalition Nordrhein-Westfalens bahnt sich nach Vorlage eines
Gutachtens ein Streit an.
Das von Staatspräsident
Jacques Chirac unterstützte Verbot in Frankreich soll sowohl für das islamische
Kopftuch, für größere Kreuze und das jüdische Käppchen (Kippa) gelten. Der
Entwurf passierte mit 494 gegen 36 Stimmen; außer der rechtsliberalen
Regierungspartei UMP waren auch die meisten der oppositionellen Sozialisten
dafür. Der Entwurf wird Anfang März im Senat beraten und geht dann zur
endgültigen Abstimmung zurück an die Nationalversammlung.
In dem am Dienstag in
Düsseldorf präsentierten Gutachten plädiert der Berliner Rechtswissenschaftler
Ulrich Battis dafür, Lehrern und Kindergärtnerinnen im Dienst das Tragen von
Zeichen zu verbieten, deren «objektiver Erklärungsgehalt» im Widerspruch zu
Grundwerten wie Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit stehe und geeignet sei,
den Schulfrieden zu beeinträchtigen. Solche Zeichen sollen auch nicht in
Schulräumen aufgestellt oder angebracht werden. Battis erklärte, das islamische
Kopftuch symbolisiere auch eine Ungleichbehandlung der Frau. In Ausnahmefällen
solle das Tragen erlaubt werden können, wenn die betreffende Frau es nicht
weltanschaulich, sondern religiös begründen könne.
Die SPD-Landtagsfraktion
wird nach Ansicht ihres Vorsitzenden Edgar Moron zustimmen. Moron betonte, die
Schule müsse ein politik- und ideologiefreier Raum bleiben. Die Grünen, der
kleinere Koalitionspartner, meldeten Widerstand an. Ihre zuständige Sprecherin
Sybille Haußmann meinte, die bestehenden Gesetze reichten für ein Vorgehen
«gegen fundamentalistische Indoktrinationen in der Schule» aus.
Fraktionsgeschäftsführer Johannes Remmel sagte: «Ein Kulturkampf wäre das
Letzte, was unsere Schulen jetzt brauchen».
Beifall hingegen kam von
der CDU- und FDP-Opposition. CDU-Experte Thomas Kufen erklärte, das Gutachten
betone, dass ein Kopftuchverbot nicht nur verfassungsrechtlich zulässig,
sondern sogar geboten sei.
Die in Hessen allein
regierende CDU will Beamtinnen generell das Tragen des islamischen Kopftuchs
verbieten. Die CDU-Landtagsfraktion stimmte am Dienstag dem Entwurf eines
«Gesetzes zur Sicherung der staatlichen Neutralität» zu, das der Landtag noch
vor der Sommerpause verabschieden soll. Damit gehe Hessen weiter als die
anderen Bundesländer, sagte CDU-Fraktionschef Franz-Josef Jung. Das Kopftuch
sei nicht in erster Linie Ausdruck eines Glaubens, sondern eine politische
Demonstration und ein Symbol der Unterdrückung und Unfreiheit.
10. Februar 2004
Quelle: http://de.news.yahoo.com/040210/12/3vkqs.html