"Der Dialog zwischen Muslimen und Christen muss weitergehen!"

Ruhrbistum stellt Orientierungshilfe zu Moscheebauten und Muezzin-Ruf vor

Der Essener Weihbischof Franz Vorrath hat am Freitag, 21. September, eine Orientierungshilfe zu Moscheebauten und zum Muezzin-Ruf vorgestellt.

In dem vom "Arbeitskreis Integration des Bistums Essen" erarbeiteten Papier mit dem Titel "Religion ist keine Privatsache" setzen sich die Autoren für das Recht muslimischer Gemeinden ein, Moscheen zu bauen. "Wir tun dies in der Erwartung", so der Weihbischof, "dass die Muslime ihrerseits dazu beitragen, den respektvollen Dialog mit den Christen zu fördern."

Mehr noch als der Bau einer Moschee setzt nach Einschätzung des Arbeitskreises der öffentliche, lautsprecherverstärkte Muezzin-Ruf "ein besonderes Maß an gegenseitigem Verständnis" voraus. "Die Kirche im Bistum Essen bittet deshalb die muslimischen Gemeinden, den lautsprecherverstärkten Ruf erst dann und nur dann einzuführen, wenn diese Beziehungen vorhanden und lebendig gestaltet sind", heißt es in dem Papier weiter.

Nach den furchtbaren Terroranschlägen sei es wichtiger denn je, zum Dialog zwischen den Kulturen und Religionen beizutragen, hob Vorrath hervor. Man müsse daher allen Versuchen widerstehen, neue Fronten zwischen Muslimen und Christen aufzubauen. Er wisse sehr wohl, dass es auch unter den Christen Stimmen gebe, die dem Islam das Recht auf die sichtbare Religionsausübung verwehren wollen. Dies, so Vorrath weiter, werde damit begründet, dass Christen in islamisch geprägten Ländern unterdrückt, benachteiligt und verfolgt würden. "Gerade weil wir Christen dies nicht hinnehmen können, setzen wir uns nicht nur nachdrücklich für die Rechte der Christen in der Welt und in unserem eigenen Land ein, sondern auch für die Recht der Muslime in Deutschland."

Vorrath machte deutlich, dass der Dialog zwischen Christen und Muslimen und die Diskussionen um einzelne Fragen wie Moscheebauten und öffentlichen Gebetsruf "nur in gegenseitiger Achtung und Treue zum eigenen Glauben sachgerecht geführt werden". Nicht nur die Muslime, sondern auch die katholischen Christen sollten daher gemäß dem Zweiten Vatikanischen Konzil "sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen bemühen und gemeinsam eintreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen".

Nach Ansicht des Weihbischofs gehört zum Dialog mit dem Islam aber auch Wachsamkeit. "Denen, die ,die Kultur des Westens verteufeln und eine islamische Parallelgesellschaft aufbauen wollen, ist mit aller Klarheit entgegenzutreten, so Vorrath. Dabei sei es wichtig, zu unterscheiden zwischen der Religion des Islam sowie den berechtigten Wünschen nach deren öffentlicher Ausübung und dem Missbrauch dieser Religion für politische Zwecke oder terroristische Ziele.(ul)

Weiterführendes:

Hier finden Sie den Text der Arbeitshilfe

Quelle: www.katholische-kirche.de 21.9.01