Islam – Christen sind niedriger als Tiere

Militant

Abu Bakar Baasyir

Dass er der "Osama bin Laden Südostasiens" sei, wie die USA vermuten, weist Abu Bakar Baasyir weit von sich. Trotz- dem macht der radikale indonesische Moslemführer aus seiner Verehrung für den saudischen Topterroristen kein Hehl - und auch nicht aus seinem fanatischen Hass auf die USA. Mit den Anschlägen auf Bali aber will er nichts zu tun gehabt haben.

"Unser Weg ist der Dschihad, der Tod im Namen Allahs unser höchstes Streben." Die Parole, gut sichtbar an der Wand, ist für zwölf- bis 18-jährige Schüler bestimmt, die regelmäßig in Abu Bakars Koranschule in Zentraljava strömen. Auch der inzwischen 64-jährige Moslemprediger liebt das klare Wort. "Christen sind niedriger als Tiere", sagt er, oder: "Die USA sind der größte Feind des Islam." Seit rund drei Jahrzehnten bekommen junge Männer in der Koranschule Abu Bakars ihren fundamentalistischen Schliff. Genauso lange haben indonesische und andere südostasiatische Behörden den Prediger wegen islamistischer Aktivitäten im Visier. So soll er Anfang der 70er mit seinem Mitstreiter Abdullah Sungkar auf Java einen Sender installiert haben, der für den Dschihad warb; Ende der 70er saßen beide vier Jahre hinter Gittern, weil sie ein militantes "Kommando Dschihad" hätten aufstellen wollen. Anfang der 80er setzte sich Abu Bakar nach Malaysia ab, denn Diktator Suharto ging hart gegen Islamisten vor - was deren Rückhalt unter den Muslimen eher anschwellen ließ.

In Malaysia sollen Abu Bakar und Abdullah westlichen und südostasiatischen Ermittlern zufolge das Terrornetz Jemaah Islamijah gegründet und ihr Ziel eines panisiamischen Staates in Südostasien formuliert haben. Erst 1998, nach Suhartos Sturz, kehrte der scharfzüngige Prediger heim. Seitdem sieht er sich einer Regierung gegenüber, die seinem Tun aus Rücksicht auf die Muslime im Vielvölkerstaat - sie stellen mehr als 80 Prozent der gut 200 Millionen Einwohner - tatenlos zusieht. "Keine Beweise", heißt es bisher in Jakarta zu Vorwürfen der Nachbarn, Indonesien lasse einen Terroristen ungeschoren.

Abu Bakar selbst, inzwischen Leiter des radikalen "Rats der indonesischen Gotteskrieger", leugnet die Eixstenz der Jemaah Islamijah. Doch der Druck auf ihn wächst, seit der Kuwaiter Omar al-Faruq, im Juni in Indonesien festgenommen, in US-Gewahrsam plaudert. Laut Time-Magazin hat al-Faruq, der der höchste Al-Qaeda- Mann in Südostasien gewesen sein soll, Abu Bakar als Jemaah-Islamijah-Führer und Drahtzieher von Anschlägen belastet. Auf die Ankündigung Jakartas, al-Faruq jetzt selbst zu befragen, reagierte der Prediger nervös. Vergangene Woche schickte er CNN zufolge einen Sprecher vor, der vor Journalisten drohte: Sollte die Regierung den "Lehrer" auf ausländischen Druck unter Terrorverdacht festnehmen lassen, "dann werden wir die muslimische Jugend aufrufen, sich zu seinem Schutz zu opfern". Jakarta stehen womöglich unruhige Zeiten bevor.

Quelle: Frankfurter Rundschau, 15.10.02, S. 2

Anmerkung: Nach unserer Kenntnis hat sich weder der Zentralrat der Muslime in Deutschland noch die Vertreter der Hanauer Moscheen von solchen Äußerungen distanziert.

H-A Link

20.10.02