
Die oben aufgeführten
Einflussbereiche erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Auch wird das
Gewicht der jeweiligen Einflussgrößen individuell verscheiden sein.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts
- steht
das Individuum vor der Auflösung der vorgegebenen Lebensordnungen,
- verlieren
überlieferte Formen der Vergemeinschaftung ihre Bindungskraft,
- steht
das Individuum unter ständigem Zwang zur Auswahl und Selbstorganisation
seines Lebens. Dies stellt hohe Anforderungen an den Einzelnen.
- muß
der Einzelne in den unterschiedlichen Segmenten seines Lebens ständig neue
Rollen spielen, um die verschiedenen Einflüsse auszutarieren.
- bewirkt
die geforderte Flexibilisierung und Mobilität, daß Mitgliedschaften,
Verpflichtungen und Partnerschaften auf Zeit eingegangen werden.
Dauerhaftigkeit gilt als unflexibel. Das gilt auch für zwischenmenschliche
Beziehungen. Langfristige
Verantwortungen werden zur Ausnahme.
- können
Loyalitäten und Überzeugungen leicht gewechselt werden.
- stellt
sich z.B. bei Doppelkarrierepaare die Frage: Wer ist bereit zu wessen
Gunsten zurückzustecken, etwa wenn der Karriereweg oder ein Berufswechsel
des anderen einen Umzug erforderlich macht? Immer weniger Frauen sind
bereit zugunsten des Mannes zurückzustecken. Kommen Kinder hinzu wird das
Problem noch größer.
- steht
der Einzelne vor der Aufgabe auszuwählen, was für sein Leben wichtig und
was unwichtig ist. Gefragt sind heute Heimwerker des Lebens mit
unterschiedlichem Improvisationstalent, die ihre Existenz zusammenbasteln.
- ist
in Wirtschaft, Medien und Gesellschaft der tüchtige, durchsetzungsfähige
Siegertyp gefragt.
Aber:
Wo es Sieger gibt, gibt es
zwangsläufig auch Verlierer und die Möglichkeit des Scheiterns. Kirche
verkündet Christus, den "Verlierer am Kreuz" und den Glauben an eine
Auferstehung im Jenseits. Was ist das schon gegenüber der realen Karriere und
den realen Gewinnen heute? Für viele kommt das Heil nicht mehr vom Kreuz, sondern
von den Selbstheilungskräften des Marktes. Diese Wertorientierungen sind eine
Herausforderung für Kirche und Gemeinde. (Vgl.: W. Huber, Kirche in der Zeitenwende, Gütersloh²,
1999)
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