Immer mehr Konservative in Deutscher Bischofskonferenz

DPA

In der Deutschen Bischofskonferenz kriselt es, wie der Streit um den
Ökumenischen Kirchentag zeigt. Viele Bischöfe befürchten eine Protestantisierung der
katholischen Kirche, ein Abgleiten ins Unverbindliche. Für den Vorsitzenden
Karl Kardinal Lehmann wird es schwieriger, zwischen dem konservativen und dem
liberalen Flügel zu vermitteln.

Der Kirchentag habe verwirrt, kritisieren Kölns Kardinal Joachim Meisner und
Kurienkardinal Joseph Ratzinger. Lehmann, der selbst Kirchentags-Auftritte
hatte, weist dies scharf zurück. Er rackert sich ab, die ökumenischen
Beziehungen zu verbessern, Meisner nicht. Seine Fraktion wächst. Die neuen Hirten von
Passau, Regensburg und Trier, Wilhelm Schraml, Gerhard Ludwig Müller und
Reinhard Marx, sind römisch linientreu.

Viele Katholiken verlangen mehr Mitsprache bei der Bischofs-Ernennung. In
den meisten Bistümern gibt es ein Wahlrecht des Domkapitels. Faktisch spielen
die Favoriten der Ortskirchen wegen der Vorgaben aus Rom keine Rolle.
"Inzwischen hat es den Anschein, dass die Beliebtheit vor Ort zu einer Art Malus
geworden ist" (Herder-Korrespondenz). In den bayerischen Bistümern, in denen das
Badische und das Preußische Konkordat nicht gelten, hat der Papst freie Hand.
Dort sitzen mit Müller, Schraml und dem Eichstätter Walter Mixa drei
Konservative. Ein vierter kann hinzukommen, denn Würzburg ist vakant.

 

Erscheinungsdatum: Samstag 06.09.2003

Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/christliche_welt/artikel779439.php