Ich träume von einer Kirche

 

Ich träume von einer Kirche der offenen Türen
für alle Generationen und Völker.
Von einer Kirche, die mitlacht und mitweint,
die mitfühlt und mitleidet.
Eine menschliche Kirche,
die wie eine Mutter auf ihre Kinder warten kann,
die ihren Kindern nachgeht und sie sucht.

Ich träume von einer wärmenden Kirche,
in der sich auch Erfolglose, Beladene und Gescheiterte wohlfühlen.
Eine Kirche derer, die im Schatten stehen;
der Weinenden und der Trauernden.

Ich träume von einer Kirche,
in der es weniger um Gesetze, Zahlen und Ordnungen
als um Menschen geht;
in der weniger auf den Tisch als an die Brust geschlagen wird;
in der weniger die Köpfe als die Füße gewaschen werden.

Ich träume von einer Kirche, die nicht ängstlich mauert,
sondern voll Vertrauen auf ihre Mitte Jesus Christus
auch neue Wege wagt;
in der miteinander gesprochen wird, nicht übereinander;
in der eine kleine Herde auf dem Wege ist,
“ein Herz und eine Seele“ zu werden.

Ich erwache und frage mich:
Bin ich denn schon einer, der mitfühlt und mitleidet?
Der warten kann?
Bei dem sich Gescheiterte und Weinende wohlfühlen?

Ich erwache und frage mich:
Schlage ich mir denn oft genug an die Brust?
Wage ich denn neue Wege?
Rede ich denn schon mit den anderen?

(z.T. nach Kardinal König und W. Schumacher in  Familien- und Jugend-Gottesdienste, Verlag Bergmoser + Höller, Heft Nov.1998, S. 9f)