Bischof Huber gegen rasche EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei

 

Berlin (ddp). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich gegen die rasche Aufnahme von EU-Beitrittsgesprächen mit der Türkei ausgesprochen. Der EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber sagte der «Berliner Zeitung» (Donnerstagausgabe), zunächst müsse die EU die Folgen der bevorstehenden Osterweiterung verdauen. «Wir sollten Beitrittsverhandlungen mit der Türkei erst beginnen, wenn diese Erweiterungsrunde verkraftet ist», sagte der Bischof. Der von der EU avisierte Termin für die Aufnahme von Beitrittsgesprächen 2005 sei «viel zu früh».

 

Huber ermahnte die Türkei, «mehr Respekt» vor der christlichen Prägung Europas zu zeigen. «Ich möchte hier in aller Schärfe sagen: Wer EU-Mitglied werden will, sollte nicht abfällig behaupten, Europa sei kein christlicher Club», sagte er. Der Bischof spricht sich zwar nicht grundsätzlich gegen eine Perspektive aus, die die Türkei einbezieht. «Aber auch die Türkei muss zweierlei einsehen: Wenn sie willkommen sein will, müssen erstens die Menschen in Europa auch mitgehen können», sagte Huber. Zweitens habe die Türkei selbst die Anforderungen an die Rechtsstaatlichkeit und die Sicherung von Grundrechten noch längst nicht so gewährleistet, «dass dies ihre selbstbewusst vorgetragenen Ansprüche auf eine Mitgliedschaft rechtfertigen könnte». Als Übergangslösung bracht der Bischof eine Sicherheitspartnerschaft zwischen der EU und der Türkei ins Spiel.

 

25. März 2004

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040325/336/3yego.html