KOMMENTAR: HARTZ IV

Kaum zu retten

Von Thomas Maron

Wunder gibt es nur in Schlagertexten immer wieder. Nicht aber in der Politik. Nachdem Minister Wolfgang Clement jetzt auch in der eigenen Partei der Rückhalt abhanden kommt, ist die pünktliche Zusammenlegung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe zum Jahreswechsel kaum zu schaffen. Ende Juni, hieß es, müssten die Details geregelt sein. Ende Juni ist in Sicht, aber noch ist weder die technische Umsetzbarkeit garantiert noch die Zusammenarbeit der Arbeitsagenturen mit den Kommunen geklärt, noch der Datentransfer, noch die finanzielle Entschädigung der Städte und Gemeinden für die Übernahme der Unterkunftskosten.

Was droht ist Chaos: Denn Hartz IV, die Zusammenlegung der Fürsorgesysteme, ist Gesetz. Nur weiß keiner, wie es umgesetzt werden soll, weil sich Regierung und Opposition im Vermittlungsausschuss in entscheidenden organisatorische Fragen verständigen wollten. Bisher erfolglos.

Es führt aber ohne Gesetzesänderung auch kein Weg zurück zur alten, bis Jahresende geltenden Zweiteilung in Arbeitslosenhilfeempfänger, für die bisher die Bundesagentur für Arbeit zuständig ist, und Bezieher von Sozialhilfe, zurzeit noch in der Obhut der Kommunen. Wieder müssten beide, Regierung und Opposition, zustimmen. Gleiches gilt für die Verschiebung der Reform. Hartz IV ist kaum zu retten, schon stricken die Parteien an Legenden zur Beantwortung der Schuldfrage. Ein unwürdiges, ein zynischer Machtspiel. Zu Lasten von 2,3 Millionen Arbeitslosen und deren Familien.

 

23.6.04

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/alle_dossiers/politik_inland/wie_viel_staat_braucht_der_mensch/hartz_kommission/?cnt=458309&