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Grablichter
fürs Kindergrabmal
ein ungewöhnliches Projekt an der Zeichenakademie Hanau |
22.1.04
HANAU Joachim Katzmann und Michael Wönne sind Lehrer für Goldschmiede an der
staatlichen Zeichenakademie in Hanau. Sie haben zunächst sehr technisch auf die
Anfrage der katholischen und evangelischen Klinikseelsorge am Klinikum Stadt
Hanau reagiert, als einige Kisten mit Glaslichtern durch Sandstrahltechnik zu
„Grablichtern fürs Kindergrabmal“ werden sollten. Ungewöhnlich in mehrfacher
Hinsicht: Wie können Schüler technisch das Problem lösen, ohne großen Material-
und Geldaufwand zu haben? Welche Technik, welches Material und welchen
Zeitaufwand kann man sinnvoll in eine Relation bringen?
Und
dann eine ganz andere Reaktion: „Grablichter“, damit konnten die jungen
Erwachsenen der Zeichenakademie aus den Klassen von Joachim Katzmann und
Michael Wönne, nichts anfangen. Ihnen war das Thema noch nicht begegnet.
Damit
wurde das Projekt der staatlichen Zeichenakademie vom technischen zum ethischen
Projekt. Beim Tag der offenen Tür musste das Türschild zur Projektpräsentation
ausgetauscht werden: statt „Herstellung von Grablichtern“ musste es auf Bitten
der Schüler „Herstellung von Windlichtern“ heißen.
Sonne,
Mond und Sterne (Symbole am Kindergrabmal) gaben erste Ideen für die ungewöhnlichen
Windlichter, deren Anlass doch der frühe Tod eines Kindes ist. Sicherlich ist
doch einiger Wind bei der Herstellung der mit kindgerechten Symbolen,
sandgestrahlten Windlichter bei den Schülerinnen und Schülern aufgekommen.
Bei
diesem Projekt, das in seiner Ausgangssituation eher praktische Ansätze hatte,
schwingen immer wieder persönliche Fragen mit. „Es könnte auch meine Situation
sein“.
Dieses
Projekt ist bereits das 3. Projekt, das im Zusammenhang mit dem Kindergrabmal
entstanden ist. Dies alles fing durch die Anregung des Verwaltungsleiters
Manfred Stork vom Klinikum Stadt Hanau an. Von der Ludwig Geißler Schule in der
Nachbarschaft sollten im Bereich Holz Kindersärge erstellt werden. Im Anschluss
konnten als zweites Projekt, das von Hermann Rolth im Bereich Metall
durchgeführt wurde, kleine Namensschilder für das Kindergrabmal, einer
Begräbnisstätte für nichtbestattungspflichtige
Fehlgeburten, erstellt werden. Hier sollten ursprünglich auch
„Grablichter als Windlichter“ gearbeitet werden. Aber die technischen Probleme
führten dazu, dass Imke Fromm, die an beiden Schulen als Referendarin für
Metalltechnik und Deutsch tätig ist, dieses dritte Projekt an die staatliche
Zeichenakademie „herüber trug“. In allen Projekten zeigte sich, dass die
persönliche Auseinandersetzung mit der Thematik „Friedhof, Sterben am Anfang
des Lebens“ nicht mit technischen Lösungen allein bewältigt werden kann. Was
sich an der Ludwig Geißler Schule zeigte, dass sich bereits wenige Jahre nach
Beginn dieser Projektreihe erstmalig Schüler melden und aus persönlicher
Betroffenheit heraus nachfragen „ob sie auch ein Schild haben können“, wird an
der Zeichenakademie ebenfalls seine Wirkung zeigen. Die Aufregung um die
Bezeichnung macht deutlich, dass die Akademiestudierenden mit ihrer Person
nicht außen vor bleiben können. Also wird die Zukunft zeigen, was sie davon
persönlich mitnehmen und in der eigenen weiteren Lebensgeschichte in
schwierigen Situationen als hilfreiche Erinnerung haben werden.
Auch
wenn bei der Übergab der Windlichter, die den Eltern bei der Beisetzung am
Kindergrabmal in Hanau als Hoffnungslichter mitgegeben werden, so ist noch
nicht zu übersehen, welche Bedeutung dieses Projekt bei den Studierenden der
Zeichenakademie haben wird. Vielleicht wird die Erinnerung an dieses Projekt in
einer schwierigen Lebenssituation ihnen dann helfen, selbst ein solches
Hoffnungslicht zu entdecken.
• Dank gilt nicht nur den beiden
Lehrkräften Joachim Katzmann und Michael Wönne,
• Dank gilt auch Imke Fromm, die das
Projekt koordiniert und begleitet hat.
• Dank gilt der Schulleiterin Frau
Jahns-Duttenhöfer, die dem Projekt von Anfang an offen gegenüber und den
nötigen Freiraum gegeben hat.
Das
Kindergrabmal hat somit eine Breitenwirkung, die über die betroffenen Eltern
hinausgeht. Dieses dritte Projekt, das jetzt seit dem Jahr 2000 bereits zwei
Schulen umfasst, erreicht damit mehr Menschen, als ursprünglich gedacht war.
Klinikpfarrer
Werner Gutheil, der das Projekt Kindergrabmal damals angestoßen und koordiniert
hat, freut sich darüber, dass nicht nur eine technische Lösung gefunden wurde,
sondern gerade jene persönliche Auseinandersetzung bei den Studierenden
erfolgte, die für deren Zukunft hoffentlich hilfreich sein wird.
Er
erinnert daran, dass die Zeichenakademie schon einmal bei der Entstehung des
Kindergrabmales beteiligt war. Dieter Oehm, Bildhauer und dort Lehrer für
plastische Gestaltung war dabei beratend tätig. Damals standen praktische
Lösungen ebenfalls im Fordergrund, die dann zugunsten der betroffenen Eltern
einfach und günstig gelöst wurden, so dass damit ein Hilfsangebot in Hanau und
darüber hinaus entstanden ist, das bundesweit Anerkennung gefunden hat. Oehm
meinte damals zum Kindergrabmal: „Es sieht aus, wie ein unaufgeräumtes
Kinderzimmer“. Genau dieses „Kinderzimmer“ auf dem Friedhof hilft betroffenen
Eltern, die während der Schwangerschaft ihr Kind verlieren, einen Ort der
Trauer zu haben. Aber darüber hinaus ist es auch Gedenkort für Eltern, die
früher ihr Kind verloren und kein eigenes Grab haben, weil dies bis vor wenigen
Jahren unüblich war.
Gutheil
dankt als Initiator allen Beteiligten an diesem Projekt und fragt an, ob er
sich wieder melden darf, wenn die Windlichter am Kindergrabmal ausgegangen
sind.
Rückfragen
zum Inhalt:
Werner
Gutheil
Klinikpfarrer
am Klinikum Stadt Hanau
Tel.
06181/ 74 01 74
Oder per E-mail: Wgutheil@t-online.de
Citiphone:
06181/ 999 419 (funktioniert im Stadtbereich von Hanau)
http://www.wir-sind-kirche.de/fulda-hanau/Trauer_index.htm