Frankfurt/Main (AP) Eine von der Katholischen Kirche in Auftrag gegebene Studie zum Thema Globalisierung ist sowohl von den Globalisierungsgegnern Attac als auch vom Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, gelobt worden. In der am Dienstag in Frankfurt vorgestellten Studie «Globale Finanzen und menschliche Entwicklung» wird ein Maßnahmenkatalog zur besseren Regulierung der internationalen Finanzmärkte gefordert.
Peter Wahl vom Netzwerk der Globalisierungsgegner Attac-Deutschland lobte die in der Studie vorgeschlagenen Kapitalverkehrskontrollen für ärmere Länder. Damit sollen kurzfristige Bewegungen großer Geldmengen erschwert werden. Dies sei eine interessante Alternative zur gegenwärtigen Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF). Wahl begrüßte den Vorschlag, dass die EU als größter IWF-Anteilseigner dort ein stärkeres Gegengewicht zur angelsächsischen Finanzmarktpolitik setzen solle. Der «Shareholder-Value»-Gedanke, wonach vor allem der Aktienkurs die Unternehmenspolitik bestimmt, fördert der Studie zufolge die Kurzsichtigkeit in der Wirtschaft.
Deutsche-Bank-Ökonom Walter sprach in diesem Zusammenhang von der Unkultur des «Sharehopper-Value»-Prinzips, bei dem die Aktionäre nur hinter kurzfristigen Gewinnen her seien. Walter betonte, dass eine Marktwirtschaft generell nur mit Regulierung funktioniere. Deshalb seien Zentralbanken für die Finanzmärkte unersetzlich. Der Glaube an den «puren Markt» der sich selbst reguliere, sei illusionär. Vielmehr müssten Staaten, aufgeklärte Bürger und die Kirchen zusammenarbeiten, um die globale Wirtschaft zu steuern. Es sei wohltuend, dass die Kirchen nicht nur predigten, sondern sich auch wissenschaftlich mit den Problemen der Globalisierung auseinander setzen.
Deutliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Attac-Vertreter Wahl und Walter sowie dem für die Autoren der Studie sprechenden Bochumer Sozialethik-Professor Joachim Wiemeyer gab es beim Thema Tobin-Steuer. Während sich Wahl für die vor allem von den USA vehement abgelehnte Zwangsabgabe auf Devisentransaktionen auch im europäischen Alleingang aussprach, äußerte Wiemeyer Skepsis. Walter lehnte diese Maßnahme generell ab: Mit einer Tobin-Steuer in Europa würden die hiesigen Devisenmärkte auf einen Schlag zusammenbrechen und in die USA ausweichen.
Dienstag 22. Januar 2002
Text der Studie
http://dbk.de/schriften/DBK7.WissArbeitsgruppe/WAg-Br012.rtfDie Studie kann als Textdatei von der Website der Bischofskonferenz
(www.dbk.de) heruntergeladen werden: