„Neue Wege zum Amt?“ - Frauenordination – Meldungen in der Fuldaer Zeitung
Ankündigung
der Fuldaer Zeitung
"Frauen im
Diakonat und Priesteramt"
fulda (gn)
"Neue Wege zum
Amt? - Frauenordination" ist das Thema einer Veranstaltung, in der der
"Fuldaer Kreis für eine offene Kirche" zwei Frauen ein Forum bieten
möchte, um dort zu dem in der katholischen Kirche kontrovers diskutierten
Komplex ihre Positionen darzulegen – im Hinblick auf den Zugang von Frauen zu dem bisher nur Männern vorbehaltenen
Diakonat und zum Priesteramt. In Vortrag und Diskussion will Dr. Ida Raming,
die sich 2002 auf einem Rheinschiff zur Priesterin hat weihen lassen, was von
der Amtskirche nicht akzeptiert wurde, ihre Beweggründe vorstellen.
Angelika Fromm, die
zweite Referentin, hat das in den ersten christlichen Jahrhunderten auch von
Frauen ausgeübte Diakonenamt nach einer dreijährigen Ausbildung im Rahmen des
Netzwerks "Diakonat der Frau" erworben.
Die Veranstaltung am
Montag, 28. Juni, im Saal der Gaststätte „Felsenkeller“ beginnt um 19,30 Uhr.
Bericht der Fuldaer Zeitung
30.06.2004
Abend des Fuldaer Kreises über „Neue Wege zum Amt? –
Frauenordination“
Klare Absage an eine „Männer-Kirche“
Von unserem
Mitarbeiter Wolfgang Hohmann
Fulda
War das Thema auch
brisant, der Eklat blieb aus. Unter dem Thema "Neue Wege zum Amt? - Frauenordination"
bot der Fuldaer Kreis für eine offene Kirche zwei Frauen ein gut besuchtes
Forum, um ihre Beweggründe darzulegen, warum sie mit der in den Medien viel
beachteten Weihe zur Priesterin und der weniger spektakulären Ausbildung zur
Diakonin eine von der katholischen Amtskirche gezogene Grenze zu überschreiten
gewagt haben.
"Wer, wenn nicht wir,
sollte das Thema aufs Tablett bringen?", fragte Klaus Lukassek, der Sprecher
des Fuldaer Kreises, zu Beginn der Veranstaltung mit Bezug auf die in den
Statuten des Kreises formulierte Forderung: "Neue Wege und Strukturen
müssen zugelassen werden." Eine Schweizer Umfrage habe 76 Prozent Zustimmung
zum Zugang zum Priesteramt auch für Frauen ergeben, erklärte Lukassek mit
Blick auf Dr. Ida Raming, die sich als promovierte katholische Theologin 2002
mit einigen anderen Frauen zur Priesterin hatte weihen lassen. "Ich
plädiere für eine Öffnung des Priesteramts für Frauen", erklärte Raming,
die ihre Forderung auch mit dem aktuellen Priestermangel, einem
"unübersehbaren Reformstau" und dem "Schönreden" der
Situation durch die Bischöfe begründete und ihre Darlegungen über die
Frauenordination mit einer Fülle von neutestamentlichen Zitaten abstützte, die
besonders die in der frühen Kirche ausgeübte Funktion der Diakonin belegten.
Charisma und Gaben seien den Frauen von Gott ebenso geschenkt wie den Männern.
Mit zahlreichen
Bibelversen untermauerte Raming ihre Position. "Gott bindet sich nicht an
das männliche Geschlecht", erklärte die "contra legem " geweihte
Frau mit Bezug auf Paulus (Galater 3,27f.), aber auch auf die hl. Theresia von
Lisieux, die sich zum Priester berufen gefühlt habe.
" Wollen die
Amtsträger Gott vorschreiben, dass er nur Männer zum Priester beruft?",
fragte die Theologin, die dem männlichen Geschlechterstolz in der Kirche den
"Geist Jesu Christi" entgegenstellte und nach Ausflügen in die
(Kirchen- )Geschichte aktuell von der "fortdauernden Benachteiligung der
Frauen trotz schöner Reden " und von lügenhaften Denkmustern sprach. Die
Referentin räumte allerdings ein, dass viele Frauen noch immer dazu neigten,
auf die Amtsträger fixiert "und die heftigsten Gegner der Frauenordination
zu sein". Raming plädierte für eine neue Verfassung der katholischen
Kirche im Ganzen, eine Änderung der Strukturen "auch durch die Präsenz von
Frauen". Sie verteidigte ihren Schritt, sich gegen das tradierte
Kirchenrecht gestellt zu haben. Sie stehe "mit der ganzen Person hinter
dieser Entscheidung".
Einen ganz anderen
Weg will Angelika Fromm, Mutter dreier erwachsener Kinder, gehen und zwar
ausdrücklich innerhalb der Kirche. Bezeugt sei auf vielfältige Weise das
Diakonat der Frauen in der frühen Kirche, das allerdings eingeschlafen sei,
wobei die karitativen Funktionen im Mittelalter von Ordensschwestern übernommen
worden seien.
Bezug nehmend auf die Würzburger
Synode erklärte Fromm, die theologischen Fragen seien längst beschieden und:
" Wir haben ihnen alle Argumente genommen." Sie sei ausdrücklich bei
ihrer Diakonatsausbildung einen Weg innerhalb der Kirche gegangen und wolle
sich nicht "contra legem" ordinieren lassen. "Ich werde das Amt
nicht mehr erleben", erklärte die "aus einer halb offiziellen
Ausbildung trotz Abmahnung aus Rom" hervorgegangene Diakonin.
Das sich an die beiden
Referate anschließende Gespräch wurde mit großem Ernst geführt und machte das
Unbehagen von Priestern und Laien an der diskriminierenden, "unchristlichen"
Behandlung von Frauen durch die "Männer-Kirche" überdeutlich.
Kommentar
Frauen und Amt
Zeit
ist reif
Wichtig und strittig: Die Frage "Frauen und Amt
in der katholischen Kirche" ist jede Diskussion wert. Die Frauen, die sich
gegen das Kirchenrecht zu Priesterinnen weihen ließen, sind zu weit gegangen;
die "Amtskirche" kommt den Interessen von Frauen nicht weit genug
entgegen. Inzwischen räumen etliche Bischöfe ein, dass weibliche Mitglieder in
der Kirche eine größere Rolle spielen müssten. Bischof Algermissen beispielsweise
setzt Zeichen, indem er den Dienst von Ministrantinnen fördert und durch die
Berufung einer Persönlichen Referentin weibliche Theologie Kompetenz
wertschätzt.
Der Vatikan behandelt das
Diakonat der Frau, das keine Priesterweihe bedeutet, jedoch die Mitwirkung am
Altar einschließt, als Tabu - leider. So bleibt eine Regelung, die vielen von
der Kirchengeschichte her realistisch erscheint, derzeit ein Traum. Es wird für
die "Amtskirche" freilich immer schwerer zu begründen, warum Frauen,
deren Schwestern mutig den Kreuzweg Jesu begleiteten und als erste die
Auferstehung bezeugten, am Altar unerwünscht sind. Die Zeit für das Diakonat
der Frau ist reif.
Bea Nolte-Schunck
Leserbriefe an die Fuldaer Zeitung zur
Veranstaltung des Fuldaer Kreises für eine offene Kirche „Neue Wege zum Amt? –
Frauenordination“:
Von der
Fuldaer Zeitung veröffentlichter Leserbrief
05.07.04
Weiheritus, der nichts bewirkt hat
Betrifft: "Klare Absage an eine, ,Männer-Kirche"'
(30. Juni, Seite 12)
"Dass
der Eklat bei der Veranstaltung des Fuldaer Kreises zum Thema einer
Frauenordination ist nicht verwunderlich, Wer sich den Ausführungen
einervermeintlichen Priesterin nicht aussetzen wollte, ist gar nicht erst gekommen.
Dass sich Frau Dr. Raming "zur Priesterin hatte weihen lassen", ist
unzutreffend. Sie hat sich vielmehr lediglich einem Weiheritus unterzogen, der
nichts bewirkt hat.
Im
Canon 1024 des Codex des kanonischen Rechtes (=CIC) ist festgelegt "Die
heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann.“ Das gilt für alle
Weiheämter, auch für den Diakonat. Da die Gültigkeit der Sakramentenspendung zu
den Sittenlehren gehört, auf die man
sich fest verlassen kann, wenn sie für die ganze Kirche verbindlich vorgestellt
wird, ist eine Frauenordination in der kathotischen Kirche faktisch nicht
möglich.
Ob
die bestehende Rechtslage geändert
werden könnte, ist eine andere Frage, die mit hoher Wahrscheinlichkeit
zu verneinen ist, weil der Papst sich nicht für befugt hält, eine auf Christus
zurückgehende Institution zu verändern. Es trifft also gerade nicht zu, dass
"die Amtsträger Gott vorschreiben, dass er nur Männer zum Priester
beruft“, sondern genau umgekehrt fügen sie sich gehorsam seinen Anordnungen,
was auch der Referentin zu empfehlen ist.
Prof. em. Dr. Aloysius Winter
Fulda
Von der Fuldaer Zeitung nicht veröffentlichter
Leserbrief:
Leserinbrief zu:
"Weiheritus , der nichts bewirkt hat" (Fuldaer Zeitung v. 05.07.04)
Für Herrn Prof. A.
Winter ist der Kanon 1024 des kath. Kirchenrechts (CIC): "Die heilige
Weihe empfangt gültig nur ein getaufter Mann" letztlich im Willen Jesu
Christi begründet ("eine auf Christus zurückgehende Institution") und
daher "mit hoher Wahrscheinlichkeit" unveränderlich.
Dass diese
kirchenrechtliche Vorschrift aber auf einer schweren Diskriminierung der Frau
basiert, die sich durch die gesamte Kirchengeschichte bis heute hinzieht, wird
von Prof. W. völlig außer acht gelassen, ebenso die Tatsache, dass die WahI von
12 Männern (Apostel) durch Jesus auf die niedrige soziale Stellung der Frau im
antiken Israel zurückzuführen ist.
Diese historischen
Grundlagen von can. 1024 habe ich in einer von der kath. - theologischen
Fakultät der Universität Münster i.J. 1970 angenommenen Dissertation sorgfältig
untersucht (Titel der in erweiterter Neuauflage erschienenen Dissertation:
"Priesteramt der Frau - Geschenk Gottes für eine erneuerte Kirche",
Münster: Lit- Verlag 2002). Sie sei dem Herrn
Professor nachdrücklich zur
Lektüre empfohlen!
Demzufolge basiert der
o.g. Kanon auf der Vorstellung vom seinshaften und moralischen Minderwert der
Frau, die bereits im NT belegt ist (vgl. dazu 1 Tim 2, 11-14).
Dass die
kirchengeschichtliche Entwicklung hätte anders verlaufen sollen, zeigt uns der Bibeltext
Gal 3,26-28: "Ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus
angezogen, da gibt es nicht mehr ... Sklaven und Freie, Mann und Frau; denn ihr
alle seid 'einer' in Christus Jesus." Nach can. 849 CIC ist die Taufe
"die Eingangspforte zu den Sakramenten", nicht aber das männliche
Geschlecht! Bereits mittelalterliche Kirchenrechtslehrer haben diese
theologisch richtige Auffassung gegen die herrschende frauenfeindliche Praxis
vertreten: "post baptismum quilibet potest ordinari", d.h. aufgrund
der Taufe kann jeder, ob männlich oder weiblich, gültig ordiniert werden.
Es ist höchste Zeit, dass
diese auf Jesus zurückgehende frauenfreundliche Tradition in der rom.-kath.
Kirche zum Tragen kommt! Wie die Kirchenleitung mit der Hälfte der Kirchenglieder,
den Frauen, umgeht, wird für das zukünftige Schicksal der röm.-kath. Kirche
entscheidend sein.
Dr. theol. Ida Raming
Dr. theol. Iris
Müller
Vollständiger Leserbrief an die Fuldaer
Zeitung
Löschenrod,
6.7.04
Leserinbrief: „Weiheritus,
der nichts bewirkt hat“ vom 5.7.04 – Seite 10
Es steht nicht
geschrieben: "Meidet Vorträge, welche die Stützen Eurer Wahrheit zum
Bersten bringen könnten“, sondern „Prüfet alles - bewahret das Gute" ( 1
Thess 5,21 ).
Es waren elementare
Änderungen an der frauenfreundlichen Lehre des Rabbi Jeschua (den wir Jesus
nennen) nötig, damit sie Staatsreligion im Römischen Reich werden konnte! Es
wird derzeit viel von der Gleichgültigkeit der Gläubigen bzw. von
Gottesvergessenheit gesprochen. Dem ist nicht so. Fakt ist: Viele Frauen haben
sich in den letzten Jahren eingehend mit den Anfängen des Christentums befasst
und sind nicht länger gewillt eine Kirche mitzutragen, die nicht bereit ist
nachweislich falsche Darstellungen zu korrigieren.
Einige Sätze aus einem Gebet, das Bischof Algermissen letztes Jahr
vorgetragen hat:
Geist Gottes, der du das Neue Iiebst,
wann wirst du er-NEU-ern
das Antlitz deiner Kirche?
Wann wirst du uns zeigen,
wie viel ALTES in ihr
verschwinden darf und soll….
Heiliger Geist,
lass das Banner der
Freiheit wieder wehen
über den Kindern Gottes!
Dann werden sie wieder
glauben an dich….
Geist der Liebe und der
Freiheit!
Uschi Heppenstiel
Von der Fuldaer Zeitung gekürzt veröffentlichter
Leserbrief
09.07.04
Staatsreligion
im Römischen Reich
Betrifft: Leserbrief „Weiheritus, der nichts bewirkt
hat“ von Prof. em. Dr. Aloysius Winter (5. Juli,
Seite 10)
Es steht nicht
geschrieben: "Meldet Vorträge, welche die Stützen Eurer Wahrheit zum
Bersten bringen könnten“, sondern „Prüfet alles - bewahret das Gute" ( 1
Thess 5,21 ).
Es waren elementare
Änderungen an der frauenfreundlichen Lehre des Rabbi Jeschua (den wir Jesus
nennen) nötig, damit sie Staatsreligion im Römischen Reich werden konnte! Es
wird derzeit viel von der Gleichgültigkeit der Gläubigen bzw. von
Gottesvergessenheit gesprochen. Dem ist nicht so. Fakt ist: Viele Frauen haben
sich in den letzten Jahren eingehend mit den Anfängen des Christentums befasst
und sind nicht länger gewillt eine Kirche mitzutragen, die nicht bereit ist
nachweislich falsche Darstellungen zu korrigieren.
Uschi Heppenstiel
Eichenzell