Fulda: Amtsverzicht
Weihbischof Kapps angenommen – Prof. Diez Nachfolger
Fulda (bpf). Gemäß Canon 401 § 1 CIC
(Codex Iuris Canonici) hat Weihbischof Johannes Kapp anläßlich der Vollendung
seines 75. Lebensjahres am 14. Mai 2004 dem Heiligen Vater den Amtsverzicht als
Weihbischof von Fulda angeboten. Papst Johannes Paul II. hat dieser
kirchenrechtlichen Bestimmung mit Datum vom 13. Juli entsprochen. Seine
Heiligkeit hat Prof. Dr. Karlheinz Diez (50) zum neuen Weihbischof in Fulda
ernannt. Dies wurde am heutigen Dienstag zeitgleich in Rom und Fulda
bekanntgegeben. Dr. Diez ist Professor für Dogmatik, Dogmengeschichte und
ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät Fulda.
Weihbischof Johannes Kapp
war am 13. Juli 1976, also auf den Tag genau vor 28 Jahren, von Papst Paul VI.
zum Weihbischof in Fulda und Titularbischof von Melzi (Nordafrika) ernannt
worden. Der Weihbischof konnte vor drei Monaten sein Goldenes Priesterjubiläum
in einem feierlichen Pontifikalamt und mit einem Empfang unter reger
Beteiligung der Bevölkerung aus allen Teilen des Bistums begehen. Dadurch
wurden auch die Stationen seines langjährigen Wirkens ins Bewußtsein gerufen.
Bei seiner Bischofsweihe 1976 in Fulda hatte sich Weihbischof Kapp ein
Schlüsselwort der Heiligen Schrift zum Leitspruch gewählt: „Gaudium domini
fortitudo nostra – Die Freude am Herrn ist unsere Stärke“. Aus solch
befreiender Kraft heraus wollte er die Frohbotschaft künden, Gottes Freude
weitergeben und als Bischof nahe bei den Menschen bleiben. Weihbischof Johannes
Kapp hat das Bistum Fulda in seiner fruchtbaren Amtszeit entscheidend
mitgeprägt – sei es als Seelsorger, Regens, Leiter der Personalabteilung,
Personalreferent für Geistliche und Laien im pastoralen Dienst,
Kommissionsmitglied bei der Deutschen Bischofskonferenz und Beauftragter zur
Regentenkonferenz und für die Berufungspastoral, Diözesanadministrator und
Bischofsvikar für die Ständigen Diakone.
Von seiner Persönlichkeit
und inneren Haltung hat sich Weihbischof Kapp immer als Hirte verstanden, der
zusammenführt, sich den Seinen zuwendet und deren Sorgen wahrnimmt. Was ihn
auszeichnet, ist die besondere Gabe, die christliche Frohbotschaft in
meditativen Bildern ansprechend und lebensnah zu verkünden. In ermutigenden
Homilien macht er deutlich, daß Christsein vor allem Berufung zur Nachfolge
ist. Kapp hat sich auch im Spannungsfeld eines herausgehobenen Amtes immer in
erster Linie als Seelsorger gesehen. Von unzähligen Firmreisen her kennt er
jede Gemeinde des Bistums. In seinen 28 Bischofsjahren hat er 942 Firmtermine
wahrgenommen und dabei insgesamt 51.124 Jugendlichen das Firmsakrament
gespendet. Derzeit befindet sich der Weihbischof wieder auf Firm- und
Visitationsreise im Dekanat Eschwege. Die Verbindung zur Basis, der enge
Kontakt besonders auch zum Diözesanklerus, mitbrüderliche Sorge und stete
Gesprächsbereitschaft sind charakteristisch für das Wirken von Weihbischof
Kapp. Über 380 Seminaristen und Bewerber um den Ständigen Diakonat hat er zum
Lektoren- und Akolythendienst beauftragt; 167 nahm er unter die Kandidaten für
Diakonat und Presbyterat auf und weihte sie zu Diakonen. 14 Diakonen hat er die
Priesterweihe gespendet.
Der künftige Fuldaer
Weihbischof Dr. Karlheinz Diez stammt aus dem katholischen Freigericht. Geboren
am 20. Februar 1954 in Horbach als ältester von drei Söhnen des Ehepaares
Raymund und Herta Diez, absolvierte er seine Gymnasialzeit am Progymnasium in
Freigericht-Somborn und dann als Konviktorist am Domgymnasium in Fulda. Nach
dem Abitur 1972 trat er ins Fuldaer Priesterseminar ein. 1973 schickte ihn
Bischof Dr. Adolf Bolte nach Rom, wo er bis 1979 im Collegium Germanicum et
Hungaricum wohnte, an der Päpstlichen Universität Gregoriana studierte und sein
Lizentiat mit „summa cum laude“ abschloß. In Rom weihte ihn der Fuldaer Bischof
Prof. Dr. Eduard Schick am 19. März 1977 zum Diakon. Am 10. Oktober 1978
empfing er in Rom die Priesterweihe durch den damaligen Erzbischof von
Esztergom (Ungarn), Kardinal Làszlò Lékai. Nach der Priesterweihe war er von
1979 bis 1981 als Kaplan in der Pfarrei St. Marien in Kassel (Rosenkranzkirche)
tätig.
Diez setzte sodann seine
Studien an der Gregoriana in Rom fort, wohnte im Collegium Santa Maria
dell’Anima und wurde 1985 mit der Arbeit „Christus und seine Kirche. Zum
Kirchenverständnis des Petrus Canisius“ zum Doktor der Theologie promoviert.
Die Promotion schloß er mit dem Prädikat „summa cum laude“ ab. Das Buch
erschien als Band 51 in der Reihe „Konfessionskundliche und
kontroverstheologische Studien“ des Johann-Adam-Möhler-Instituts in Paderborn.
Danach studierte Diez bis 1988 in Mainz weiter und wurde zugleich mit
diözesanen Aufgaben betraut. Dr. Diez war in den Jahren 1985 bis 2000 eng mit
Bischof emeritus Eduard Schick verbunden, dem er als Mitarbeiter zur Seite
stand. Von 1989 bis 2000 wirkte er als Subregens am Fuldaer Priesterseminar. Im
Jahre 1995 habilitierte er sich in Mainz für das Fach „Dogmatik und ökumenische
Theologie“ und war dann als Privatdozent tätig. Seine Habilitationsschrift
erschien 1997 als Band 8 der „Fuldaer Studien“ mit dem Titel „’Ecclesia – non
est civitas Platonica’. Antworten katholischer Kontroverstheologen des 16.
Jahrhunderts auf Martin Luthers Anfrage an die ‚Sichtbarkeit’ der Kirche“.
Von März 1993 bis 1996
war Diez Ökumenereferent und wirkte von 1990 bis 1999 als Geistlicher Mentor
der angehenden Gemeindereferentinnen und –referenten im Bistum Fulda. 1998
erfolgte seine Ernennung zum ordentlichen Professor für Liturgiewissenschaft an
der Theologischen Fakultät Fulda durch Erzbischof Dr. Johannes Dyba. 2001/2002
war er von der Fakultätskonferenz der Theologischen Fakultät Fulda zum
Prorektor gewählt worden. Bischof Algermissen ernannte ihn 2002 zum
ordentlichen Professor für Dogmatik, Dogmengeschichte und ökumenische
Theologie. Papst Johannes Paul II. verlieh ihm im August desselben Jahres in
Anerkennung seiner Verdienste den Titel „Päpstlicher Kaplan“ (Monsignore).
Dr. Diez, der sich in
allen seinen Aufgaben als Seelsorger versteht und von daher seit vielen Jahren
auch in der Gemeindeseelsorge mithilft, feierte im vergangenen Oktober sein
silbernes Priesterjubiläum und schaute in großer Freude auf seine Priesterjahre
zurück. In tiefer Dankbarkeit erinnerte er an die Priester, die für ihn neben
seiner Familie auf dem Weg zum Priestertum besonders wichtig gewesen sind, wie
seine Heimatpfarrer in Freigericht-Horbach, Franz Massanetz (gest. 1986) und
Siegfried Blaszczyk (gest. 1995), vor allem auch seinen unvergessenen Großonkel
Dr. Dr. Karl Biba (gest. 1988). Ein weiterer Großonkel von Dr. Diez war Rektor
i. R. Geistlicher Rat Karl Diez, der 1964 in Amöneburg verstarb.
Dr. Diez wird als
Weihbischof Titularbischof von Villa Regis, einem erloschenen Bischofssitz in
Numidien (Nordafrika), den zuletzt der jetzige Bischof von
Köslin-Kolberg/Koszalin-Kolobrzeg (Polen), Kazimierz Nycz, als Weihbischof in
Krakau innehatte.
Die Bischofsweihe von
Prof. Dr. Karlheinz Diez wird am Sonntag, 26. September, im Rahmen eines
feierlichen Gottesdienstes um 15 Uhr im Hohen Dom zu Fulda erfolgen.
13.7.04
Quelle: http://www.katholisch.de/2315_5603.htm