Priesterinnenweihe - Exkommunikation ist keine Lösung

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche kritisiert die Exkommunikation der sieben Frauen aus Deutschland, Österreich sowie den USA und die damit zum Ausdruck kommende mangelnde Dialogfähigkeit des Vatikans in Fragen der Frauenordination.

Wir sind Kirche ruft dazu auf, trotz dieses Dekretes der Kongregation für die Glaubenslehre die Diskussion über die Erneuerung des Leitungsdienstes und seine Öffnung für Frauen auf allen kirchlichen Ebenen jetzt verstärkt weiter zu führen.

Die Anwendung der höchsten Kirchenstrafe ist nach Ansicht der KirchenVolksBewegung kein Zeichen der Stärke sondern der Erstarrung Roms. Das vom Papst 1994 in seinem Schreiben "Ordinatio Sacerdotalis" ausgesprochene Diskussionsverbot der Frauenordination ("Die Kirche hat keinerlei Vollmacht, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und alle Gläubigen der Kirche haben sich endgültig an diese Entscheidung zu halten") hat ein Klima der Repression geschaffen, das es unmöglich macht, sich innerhalb der römisch-katholischen Kirche mit Tradition und Wandel offen und konstruktiv auseinander zu setzen.

Es ist ein Skandal, dass die römisch-katholische Amtskirche den Frauen eine Ordination für den Leitungsdienst immer noch vorenthält, obwohl sich biblisch-theologisch dafür keine stichhaltigen Gründe ins Feld führen lassen.

In der 2000-jährigen Kirchengeschichte hat sich immer wieder gezeigt, wie notwendig eine Anpassung zeitlich bedingter Normen und kirchenrechtlicher Regelungen ist, wenn die Kirche ihrem pastoralen Auftrag gerecht werden will.

Deshalb wird es höchste Zeit, dass das Dialogverständnis des Lehramts, also des Papstes und der Gemeinschaft der Bischöfe, sich dahingehend ändert, dass Dialog kein predigtartiger Monolog ist, sondern das Hinhören und Ernstnehmen der GesprächspartnerInnen beinhaltet.

Es ist dringend notwendig, dass endlich auch die höchsten Repräsentanten der Kirche die wegweisenden Worte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) umsetzen, dass die Kirche die "Zeichen der Zeit" ernst nehmen und im Licht des Evangeliums zu interpretieren habe (vgl. Gaudium et Spes Nr. 4).

Immer mehr kirchentreue Menschen können die Haltung der Kirchenleitung in dieser Frage nicht mehr verstehen und möchten die Berufung von Frauen zur Priesterin oder Diakonin durch eine Weihe bestätigt wissen. In Deutschland und anderen Ländern befürworten mehr als 70% der praktizierenden Katholiken und Katholikinnen die Frauenordination, wie die US-amerikanischen Religionssoziologen Prof. Andrew Greely und Prof. Michael Hout in einer internationalen Studie 1996 festgestellt haben.

Das KirchenVolksBegehren 1995, das u.a. den Zugang von Frauen zum Priesteramt forderte, ist allein im deutschsprachigen Raum von 2,3 Millionen Menschen unterschrieben worden.

Pressemitteilung Hannover, 6. August 2002

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