Benediktinerinnen trotzen Vatikan
US Ordensfrauen fordern Frauenordination
Die Benediktinerin, JOAN CHITTISTER, war als eine der Hauptrednerinnen zum ersten weltweiten Kongress zur Frauenordination in der römisch-katholischen Kirche Ende Juni in Dublin, Irland, eingeladen worden. Der Vatikan hatte sie und andere Ordensfrauen massiv unter Druck gesetzt, ihre Teilnahme an dem Kongress zurückzuziehen. Doch die Ordensfrauen verweigerten den "hierarchischen Gehorsam". Sie begründeten ihren öffentlichen Widerstand mit dem urkatholischen Prinzip des Vorrangs des Gewissens bei moralischen Entscheidungen.
"Wir gratulieren der Priorin SR. CHRISTINE VLADIMIROFF, SR. JOAN CHITTISTER und allen anderen mutigen Benediktinerinnen des Stifts von Erie, Pensylvania SA, dass sie es wagen, trotz massiven Drohungen vom Vatikan die Frauenfrage in der Kirche laut und deutlich zu stellen!" erklärt ELFRIEDE HARTH, Sprecherin der Internationalen Bewegung Wir sind Kirche. "Wir rufen alle Ordensoberinnen und Ordensoberen auf, sich ein Beispiel an dem Mut und der Lebendigkeit dieser Ordensfrauen zu nehmen und sich ihrer prophetischen Rolle in Kirche und Gesellschaft zu besinnen", erklärte HARTH am 8. Juli in Versailles.
"Das ist umso erfreulicher" so HARTH, "weil unsere andere Hauptrednerin, ARUNA GNANADASON vom Weltkirchenrat, ihre Teilnahme kurz vor Beginn des Kongresses mit großem Bedauern absagen musste, da der Vatikan gedroht hatte, sich sonst aus verschiedenen ökumenischen Arbeitsgruppen zurückzuziehen.
"Bei Kandidaten für das Bischofsamt ist die Einstellung zur Frauenordination eines der wichtigsten Auswahlkriterien, weit vor dem der pastoralen Eignung und ihrer Akzeptanz beim Kirchenvolk", so HARTH. Der Vatikan hatte 1994 mit seiner ganzen Autorität ein Diskussionsverbot über die Frauenordination verhängt. Priester und Theologieprofessoren müssen bei ihrer Amtseinführung einen Eid leisten, sich in dieser Frage strikt an die Vorgaben des Vatikans zu halten.
"Wir freuen uns, daß es ausgerechnet Ordensfrauen sind, die es wagen, in der Weltöffentlichkeit ihre Stimme gegen dieses Unrecht in der Kirche zu erheben. Besonders da erst vor wenigen Wochen die sexuelle Ausbeutung von Ordensfrauen durch Priester, die erleichtert wird durch ein sakralisiertes Verständnis von bedingungsloser Unterwerfung jeder Autorität in der Kirche gegenüber, weltweit für Schlagzeilen sorgte," erklärt HARTH weiter. "Wo Kirchenmänner noch kuschen, lassen sich Ordensfrauen nicht länger den Mund verbieten!" freut sich HARTH.
Die Internationale Bewegung Wir sind Kirche entstand 1996 aus dem Zusammenschluss nationaler Initiativen des KirchenVolksBegehrens und ist mittlerweile in mehr als 40 Ländern auf allen Kontinenten vertreten. Für die fünf Reformforderungen, darunter die volle Gleichberechtigung der Frauen in der Kirche und ihren Zugang zu allen kirchlichen Ämtern, wurden über 2,5 Millionen Unterschriften gesammelt.
Das STATEMENT DER PRIORIN DER BENEDIKTINERINNEN VON ERIE kann abgerufen werden bei:
Elfriede Harth.
Sprecherin der Internationalen Bewegung Wir sind Kirche
6, rue des Etats Generaux
F-78000 Versailles
Tel/Fax: +33-1-39490554
e-mail: imwac@aol.com
WsK, Pressemitteilung, Versailles 8. Juli 2001