Kontroverse um Frauenliturgie im Linzer Dom
Vielfältige Reaktionen zog eine Frauenliturgietagung nach sich, die vom Kardinal-König-Haus, der Katholischen Frauenbewegung Österreichs und dem Österreichischen Frauenforum Feministische Theologie in Linz veranstaltet wurde. Frauen aus ganz Österreich und dem angrenzenden deutschsprachigen Ausland tauschten dabei ihre Erfahrungen mit den nun schon seit zwei Jahrzehnten stattfindenden Frauenliturgien aus, wie sie im Zuge einer weltweiten religiösen Frauenbewegung und aufgrudn von Erkenntnissen feministischer Theologinnen, von Christinnen in aller Welt entwickelt wurden, und diskutierten aktuelle Entwicklungen dieser liturgischen Bewegung.
Als Referentin konnte eine der weltweit prominentesten LiturgiewissenschafterInnen, die Univ.Prof. DDr. Teresa Berger gewonnen werden. Berger, die für zahlreiche Lehrstühle im deutschsprachigen Raum erstgereihte Kandidatin war, musste trotz ihrer hohen Qualifikationen in die USA "auswandern", um unterrichten zu können, da ihr bis heute von Rom das Nihil obstat - und damit die Lehrerlaubnis an einer katholisch-theologischen Fakultät verweigert wird. Abschluss und Höhepunkt der Tagung bildete eine gemeinsame Frauenliturgie im Linzer Dom.
Bereits im Vorfeld der Tagung wurden - vermutlich aus den Kreisen konservativer oberösterreichischer Rechtskatholiken - Beschwerden bzw. Anzeigen in Rom eingebracht. Der Präfekt der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Jorge Medina Estévez, fühlte sich dadurch offensichtlich gedrängt, die geplante liturgische Feier im Dom zu verbieten und den zuständigen Diözesanbischof Maximilian Aichern, der die Frauenliturgie erlaubt hatte, zu einer Rechtfertigung aufzufordern.
Beim Eröffnungsvortrag von Berger, der am 31. Mai gehalten wurde, kam es zu massiven Störungen durch Martin Humer und Albert Engelmann, Vater und Sohn, - Herausgeber der ultrakonservativen Zeitschrift "Der 13.". Gestört wurde u.a. durch ständiges Fotografieren (Filmaufnahmen wurden von den Veranstalterinnen auf Bitte der Referentin nicht zugelassen) und eine Reihe von Anfragen, die mit dem Thema nichts zu tun hatten. Der höflichen Aufforderung der Veranstalterinnen, das Fotografieren nach ca. 20 Minuten einzustellen, wurde mit Einschüchterungsversuchen geantwortet: "Hier wird Journalismus unterbunden."
In einem Offenen Brief an die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz dokumentieren die Organisatorinnen das Vorgehen der Herren Engelmann und Humer und zeigen sich enttäuscht über die mangelnde Wertschätzung der liturgischen Bewegung von Frauen von Seiten der Kirchenleitung. Zusätzlich stellen sie richtig, dass es niemals geplant war, beim Gottesdienst im Dom priesterliche Handlungen zu vollziehen, die Frauen in der römisch-katholischen Kirche nach wie vor verboten sind.
Ganz im Gegenteil ging es im Kontext der Tagung ja gerade darum, jene spezifische und eigenständige Art von Gottesdienst zu feiern, wie sie als "Frauenliturgien" seit Jahrzehnten in allen Teilen der Welt von Frauen gefeiert werden. Einmal mehr hat sich durch die Ereignisse in Linz gezeigt, dass kritisch denkende und suchende Frauen, die sich (noch) der Kirche zugehörig fühlen und diese (auch liturgisch) mitgestalten wollen, nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung erlebt werden.
17.6.02
Weitere Infos: Doris Gabriel (doris.gabriel@utanet.at)