Papst: für die Frau kein Weg ins Priesteramt –

Die Diskussion darüber lässt sich nicht abwürgen

 

Frau in der Kirche: St.Georgen hakt nach

Von Kim Behrend

Frankfurt - Oberrad. In der katholischen Kirche führt für die Frau kein Weg ins Priesteramt. Mit dem Apostolischem Schreiben Papst Johannes Paul II. vom 22. Mai 1994 ist in dieser Angelegenheit das letzte Wort gesprochen. Aber selbst das Oberhaupt der katholischen Kirche vermag es anscheinend nicht, den Studenten das Diskutieren darüber zu verbieten. Das haben Theologiestudenten und -professoren jetzt in einer Gesprächsrunde mit dem Titel «Gendergerechtigkeit in der katholischen Kirche - die Frau und das Amt» in der theologisch-philosophischen Hochschule St. Georgen erneut unter Beweis gestellt.

«Natürlich käme es keinem Gläubigen in den Sinn, die Kirche zu verklagen, weil sie die Frau nicht gleichstellt», sagte Gastdozentin Helen Schüngel-Straumann zu Beginn ihre Vortrages «Frauen-,Ämter' in der Bibel». Aber es gelte doch, die Exegeten ernst zu nehmen und deren neueren Erkenntnisse zur Position der Frau in der gesamten Bibel, «die schließlich Grundlage des Glaubens ist», in die Diskussion mit einzubeziehen. Sowohl das Alte als auch das Neue Testament zeugten gleichermaßen von Prophetinnen und Apostolinnen. «Jesus hat Frauen als Jünger berufen.»

Eines der wohl gewichtigsten Beispiele hierfür sei die Gestalt Maria von Magdala. «Lukas 8.1 erzählt die Geschichte ihrer Heilung von sieben bösen Dämonen und ihre Berufung.» In der Exegese sei diese Gestalt lange Zeit gleichgesetzt worden mit der Figur einer anderen Maria – einer bekehrten Dirne. Einen weiteren Nachweis weiblicher Apostel und Prophetinnen sieht Frau Schüngel-Straumann in der Passionsgeschichte. Auch hier ist die Gestalt Maria von Magdalas von besonderer Tragweite.

«Zum einen wohnen nur die Frauen unter den Jesusjüngern der Kreuzigung bei.» Alle Passionsgeschichten legten gleichermaßen Zeugnis davon ab, dass die Männer unter den Jüngern den Anblick ihres leidenden Herren nicht zu ertragen vermochten und davon zogen. «In Johannes 20 ist es wiederum Maria von Magdala, die Zeugin der Auferstehung wird und diese den Jüngern später verkündet, weil diese ihrerseits das Grab bereits verlassen hatten.» Die Evangelien belegten letztlich eine Semivalität zwischen Maria von Magdala und Petrus – auf dessen Stuhl das Oberhaupt der katholischen Kirche nun schon seit Jahrhunderten thront.

Die Festschreibung des dreistufigen Amtes – Diakon, Priester, Bischof – auf den Mann, sei letztlich eine nachträgliche Kodifizierung, eine Entwicklung aus dem Mittelalter. In der frühen Neuzeit hingegen hätten Mann und Frau die Gläubigen gleichermaßen gelehrt, geheiligt und geleitet.

Aber auch, wenn der Ausflug in das Reich der Bibelgeschichte eine Gleichstellung unter weiblichen und männlichen Jüngern nahe legt, Gastdozentin Heike Grieser hatte in ihrem Vortrag «Über den ,richtigen’ Platz von Frauen in der frühen Kirche» herausgearbeitet, dass gemäß einiger der ersten Kirchenordnungen die Frau als Diakonissin von der Taufe und der Lehre ausgeschlossen war, die Diakonen hingegen sehr wohl taufen und lehren durften.

«Allerdings muss bei den Kirchenordnungen berücksichtigt werden, dass sie Momentaufnahmen darstellen», erläutert Dozentin Theresia Hainthaler von der Hochschule St. Georgen. Gerade die Kirchenordnungen seien im starken Maße immer Kinder ihrer Zeit. Aus der katholischen Kirche sei das Amt der Diakonissin im Laufe der Jahrhunderte schließlich ganz verschwunden. Was also kann inwiefern als Hinweis dafür genommen werden, dass die Bibel den Ausschluss der Frau von der Priesterweihe letztlich verlangt? Was zeugt davon, dass bereits in der Bibel Frauen wie selbstverständlich als Priester oder in einer Art Vorform zu diesem Amt fungierten? Das wurde im Anschluss an die ersten beiden Vorträge von Frau Schüngel-Straumann und Frau Grieser heftig diskutiert.

Im Mittelpunkt der zweiten Hälfte des Diskussionstages hingegen stand der Status quo: «Wir erklären, dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, den Frauen die Priesterweihe zu spenden.» In diesem Vortrag beleuchtete Theresia Hainthaler zum Abschluss des Tages die Position des Lehramts und der Dogmatik noch mal etwas genauer.

Frankfurter Neue Presse, 21.1.06

Quelle: http://www.rhein-main.net/sixcms/list.php?page=fnp2_news_article&id=2730249