Frankfurt: jedes dritte Kind lebt in Armut

 

Frankfurt. Jedes dritte Frankfurter Kind lebt in einem Haushalt mit niedrigem Einkommen. Oftmals steht diesen Haushalten kaum mehr Einkommen zur Verfügung als einem durchschnittlichen Sozialhilfehaushalt. Dies geht aus dem jetzt vom Magistrat ver6ffentlichten siebten Teil des "Frankfurter Sozialberichts" hervor. Demnach lebten im Oktober 2005 rund 210000 Kinder unter 15 Jahren in Frankfurt, deren Eltern vor allem wegen Arbeitslosigkeit ihren Unterhalt nicht selbstständig sichern konnten. Die Grenze für ein niedriges Einkommen wurde mit 786 Euro bei der Hälfte des durchschnittlichen Haushaltseinkommens (1572 Euro) gezogen.

 

Ende 2002 zählten 15,8 Prozent aller Frankfurter Haushalte zu den so genannten Niedrigeinkommens- haushalten. Von den Haus- halten, in denen keine Kinder unter 15 Jahren lebten, wurden 11,9 Prozent dazugerechnet, von den Haushalten mit einem Kind waren es schon 30,4 Prozent und von den Haushalten mit zwei Kindern 40,7 Prozent. Wo drei und mehr Kinder leben, steigt der Anteil der Haus- halte mit niedrigen Einkommen sogar auf rund zwei Drittel, Haushalte, in denen der Vorstand nicht die deutsche Staatsangeh6rigkeit hat, müssen mit 50,3 Prozent erheblich häufiger mit niedrigen Einkommen als Haushalte mit deutschem Vorstand (16,1 Prozent). Damit liegt Frankfurt im Bundestrend. Das gilt auch für die Feststellung, dass Alleinerziehende besonders häufig Finanzprobleme haben: Mehr als 40 Prozent dieser Haushalte be- ziehen niedrige Einkommen.

 

Ende 2004 erhielten in Frankfurt 5263 Kinder unter sechs Jahren (14,9 Prozent) laufende Hilfe zum Lebens- unterhalt, außerdem 7816 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren (12,4 Prozent). Insgesamt be- trug die Sozialhilfequote bei den Minderjährigen 13,3 Prozent, wahrend sie beiden Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren in Frankfurt lediglich 5,8 Prozent ausmachte.

 

Neben der Nationalität - Minderjährige mit ausländischem Pass sind mit einem Anteil von 23,3 Prozent weitaus häufiger Sozialhilfeempfänger als deutsche ( 10,0 Prozent) -spielt der Haushaltstyp wieder eine entscheidende Rolle. Von den minderjährigen Sozialhilfeempfängern lebten Ende 2004 exakt 51 Prozent in Haushalten von überwiegend weiblichen Alleinerziehenden. Besonders viele Kinder, die Sozialhilfe beziehen, leben in den Stadtteilen Griesheim-West, Bonames, Preungesheim, Fechenheim, Sossenheim-Ost und im Gallus.

 

In dem Sozialbericht wird ferner hervorgehoben, dass die Arbeitslosigkeit der Eltern neben den finanziellen Folgen auch Auswirkungen auf das Klima in der Familie habe, "die ihrerseits das Wohlbefinden der Kinder einschränken können". So berichteten Kinder, deren Eltern arbeitslos seien, dass ihre Eltern sich häufiger stritten und die Kinder häufiger beschimpften und bestraften als zuvor. Die Kinder litten auch häufiger an psychosomatischen Begleiterscheinungen wie Unlustgefühlen, Niedergeschlagenheit, Kopf- und Magenschmerlen. Mädchen litten darunter noch starker als Jungen (jge)

 

Frankfurter Neue Presse, 4.9.06, S. 19