Familienvater
wird katholischer Priester
Lübeck, 24.5.2004 (epd). Der neue Pfarrer der katholischen St.
Joseph-Gemeinde in Lübeck-Kücknitz ist ein verheirateter Familienvater.
Peter Moskopf (50) wird am Sonnabend vor Pfingsten (29. Mai, 10.30 Uhr) in
der Hamburger Domkirche St. Marien von Erzbischof Werner Thissen zum
Priester geweiht. An dem Weihegottesdienst werden auch seine Frau und seine
drei Kinder teilnehmen. Bis zum Jahr 2000 war Moskopf evangelischer
Gemeindepastor in Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg), ehe er zum
katholischen Glauben übertrat.
Möglich ist der Übertritt des Seelsorgers durch eine Ausnahmegenehmigung
(Dispens) des Papstes. Diese wird nach Angaben des Erzbistums allerdings nur
in seltenen Fällen erteilt. Nach den Worten von Ausbildungsleiter Thomas
Brenner sei Moskopf in seiner evangelischen Gemeinde menschlich geschätzt
und fachlich anerkannt gewesen. Auch werde ihm zugute gehalten, dass er den
Übertritt mit seiner Familie intensiv abgestimmt habe.
Zu Diskussionen hat die Priesterweihe von Moskopf geführt, weil innerhalb
von zwei Jahren drei Priester im Erzbistum ihr Amt aufgeben mussten, unter
anderem weil sie mit einer Frau zusammen leben wollen. Wer als Katholik den
Weg zum Priester wählt, so Pressesprecher Manfred Nielen, wisse von Anfang
an, dass Ehelosigkeit gefordert sei. Wer sich als katholischer Priester für
die Ehe entscheide, müsse sein Amt aufgeben. Die Priesterweihe von Peter
Moskopf sei dagegen eine Einzelfall-Entscheidung.
Moskopf war ursprünglich Krankenpfleger an der Uni-Klinik Hamburg-Eppendorf.
Nach dem Studium der evangelischen Theologie war er Vikar im nordfriesischen
Niebüll und dann vier Jahre lang Gemeindepastor in Büchen. Nach dem Wechsel
zur katholischen Kirche studierte er katholische Theologie in Erfurt,
besuchte das Priesterseminar und arbeitete als Seelsorger in der
katholischen Kirchengemeinde in Wismar.
Den Wechsel zum Katholizismus begründet Moskopf in erster Linie mit dem
Kirchenbild. Die theologische Bandbreite und Vielfalt sei in der
katholischen Kirche größer. Er sei grundsätzlich kein Gegner der verordneten
Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat). In diesem Jahr feiert das Ehepaar
Moskopf auch die Silberne Hochzeit. (24.5.04/tm/hs; Thomas Morell, epd)
Quelle: http://www.epd.de/nachrichten/nord_index_28442.html
Pressemitteilung
Wir sind Kirche und
verheiratete Priester
kritisieren ungleiche Praxis des Priesterzölibats
Hamburg/Hannover/Aschaffenburg, 27. Mai 2004. Die KirchenVolksBewegung Wir
sind Kirche (WsK) und die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen
(VkPF) kritisieren die ungleiche und ungerechte Anwendung der
Zölibatspflicht für katholische Priester, die derzeit im Erzbistum Hamburg
praktiziert wird. Erst vor kurzem hatte Erzbischof Dr. Thissen drei bewährte
Priester, die sie sich offen zu einer Partnerschaft bekannt haben, aus dem
Amt entfernt. Am 29. Mai wird jetzt jedoch ein verheirateter früherer
evangelischer Pastor im katholischen Dom St. Marien zu Hamburg feierlich zum
Priester geweiht.
Die Reformgruppen begrüßen grundsätzlich jede Ausnahme von der
Zölibatsverpflichtung für Priester. Vor dem Hintergrund der vorausgegangenen
Amtsentlassungen erhält diese Weihe eines verheirateten ehemaligen Pastors
jedoch einen üblen Beigeschmack. Das Berufsverbot für bewährte Priester wird
dadurch als ein Akt unnötiger, unnachgiebiger und uneinsichtiger Härte
entlarvt. Die römisch-katholische Kirche demonstriert damit angesichts des
zunehmenden Priestermangels machtvoll, dass für sie die Unterwerfung unter
die Zölibatspflicht absoluten Vorrang hat vor der Feier der Sakramente, auf
die die christliche Gemeinde auch nach Kirchenrecht einen Anspruch hat.
Das in diesem Jahr im Erzbistum Hamburg angelaufene Pastoralgespräch "Das
Salz im Norden" hat dieses Problem bedauerlicherweise ausgeklammert.
Für
die Gemeinden hätte sich hier eine gute Gelegenheit geboten, die Diskussion
des unheilvollen Zwangszölibats sowie die Wiedereingliederung verheirateter
Priester einzufordern, wenn sie sich andererseits mit der Zusammenlegung und
Schließung von Gemeinden wegen Priestermangel einverstanden erklären sollen.
Bedenklich ist vor allem, dass die Hamburger Bistumsleitung sich
ausschließlich auf die einschlägigen Bestimmungen des kirchlichen
Gesetzbuchs beruft ohne sich zu fragen, ob dieses Kirchenrecht nicht eher
eine Provokation darstellt und deshalb den inneren Frieden der kirchlichen
Gemeinschaft sehr gefährdet.
KirchenVolksBewegung und VkPF wünschen dem verheirateten Neupriester in
seinem Amt Segen und Erfüllung. Sie appellieren jedoch an die Hamburger
Bistumsleitung, dem Wunsch vieler Kirchenmitglieder, auch verheirateten
Katholiken den Zugang zum kirchlichen Amt oder den Verbleib im Amt zu
ermöglichen, genauso viel Aufmerksamkeit zu schenken wie dem Wunsch eines
verheirateten Konvertiten nach der Priesterweihe, dem problemlos durch eine
päpstliche Sondervergünstigung entsprochen wurde.
Seit dem Kirchenvolksbegehren von 1995, das von 1,8 Millionen Katholiken
unterzeichnet wurde, gehört die freie Wahl zwischen zölibatärer und
nicht-zölibatärer Lebensform, also die Aufhebung des Pflichtzölibats, zu den
zentralen Forderungen der KirchenVolksBewegung.
Die Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen setzt sich seit ihrer
Gründung vor 20 Jahren für die gleiche Forderung ein. Sie vertritt die
Betroffenen und kennt daher die seelischen und materiellen Probleme, die mit
der Zwangsausgrenzung ehemaliger Priester verbunden sind.
Christian Weisner(Mitglied des Bundesteams)
KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche
Hildesheimer Str. 103, D-30173 Hannover
Tel.: +49 (511) 80 00 10, Fax: +49 (511) 988 60 50
eMail: info@wir-sind-kirche.de,
Internet: www.wir-sind-kirche.de
Ernst Sillmann (Vorsitzender)
Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen e.V.
Libellenweg 9, D-63741 Aschaffenburg
Tel.: +49 (6021) 46 6 50, Fax +49 (6021) 45 51 16
eMail: e.sillmann@t-online.de,
Internet: www.nwn.de/vkpf