"Europa muss selbstbewusster auftreten"
Internationales Forum kritisiert amerikanisches "Empire-Verhalten"
Trier Europa muss in der internationalen Politik selbstbewusster auftreten, gerade auch gegenüber dem "Empire-Verhalten der Vereinigten Staaten" und dem "absoluten globalen Herrschaftsanspruch einer kleinen Gruppe von Amerikanern." Das haben Dr. Herbert Hoffmann, scheidender Direktor der Katholischen Akademie Trier, und Prof. Dr. Bernd Hamm, Geschäftsführer des Zentrums für Europäische Studien der Universität Trier, am 21. Oktober in Trier betont. Hoffmann und Hamm äußerten sich zum Abschluss des internationales Forums "Kulturimperialismus oder lebendige Vielfalt", zu dem sich vom 17. bis 20. Oktober Experten aus 16 Ländern in Trier versammelt hatten.
Hamm und Hoffmann stellten übereinstimmend fest, dass die beim Forum deutlich gewordene Kritik an der Politik der Vereinigten Staaten nichts mit "Anti-Amerikanismus" zu tun habe. Vielmehr hätten die Teilnehmer des Forums ihre Wertschätzung für die amerikanische Gesellschaft betont. Aber nach Aussage Hamms hat das Forum auch gezeigt, dass Europa seine eigenständige Position und seine Kritik am Kulturimperialismus der USA deutlicher machen müsse und eine neue Qualität in die internationalen Beziehungen bringen müsse. "Uneingeschränkte Solidarität kann es nur mit Opfern geben", sagte er. Hoffmann betonte, dass die Grundannahme des Forums, wonach es einen engen Zusammenhang zwischen Gewaltbereitschaft bzw. Terroranschlägen und der langfristigen Missachtung anderer Kulturen gibt, von allen Seiten bestätigt worden sei. Wichtig sei, so unterstrichen Hoffmann und Hamm, den internationalen und interkulturellen Dialog zu verstärken und sich gemeinsam für eine nachhaltigere Politik einzusetzen, die auf Respekt, Gleichberechtigung und ökologischer Schonung beruhe. Vor allem gelte es, den Kontakt zwischen der europäischen und der arabischen Welt zu intensivieren. "Davon kann es nie genug geben", sagte Hamm.
Notwendig sei es in erster Linie, auch darin waren sich Hamm und Hoffmann einig, junge Menschen verschiedener Kulturen und Religionen stärker miteinander ins Gespräch zu bringen. Hamm erwähnte in diesem Zusammenhang die Möglichkeit gemeinsamer Studiengänge. Hoffmann, der neuer Leiter der Hauptabteilung "Schule/Hochschule" des Bistums Trier ist, unterstrich, dass die Vermittlung des Respekts vor kultureller Verschiedenheit und die Anwaltschaft für kulturelle Vielfalt ein Hauptziel kirchlicher Erziehungsarbeit sein müsse. "Das ist eine pädagogische Aufgabe ersten Ranges", stellte Hoffmann klar und verwies auf das Zweite Vatikanische Konzil, das vor vierzig Jahren erstmals die Notwendigkeit einer Wertschätzung anderer Religionen betont habe.
Bis Mitte Dezember ist im Robert-Schuman-Haus noch die während des internationalen Forums eröffnete Ausstellung "An den Wassern von Babylon" des irakischen Künstlers Maurice Haddad zu sehn. Haddad thematisiert in seinen Bildern die Ursprünge des Kulturraums an Euphrat und Tigris, seine zerbombte Heimat bei Basra und seine Hoffnung auf Frieden. Öffnungszeiten: montags bis samstags von 9 bis 18 Uhr und sonntags von 9 bis 14 Uhr.
21.10.2002
Quelle: http://katholische-kirche.de/