Krise als Chance sehen - "Wir-sind-Kirche-Bewegung"
sucht Dialog mit Bischof
BAMBERG, 27.1.2004. Die Sparbeschlüsse der Erzdiözese Bamberg stoßen
zunehmend auf Kritik. Nun haben sich auch der Priesterkreis Burg Feuerstein
und die "Wir-sind-Kirche-Bewegung" mit den Betroffenen solidarisiert.
Ihr
Ziel ist ein ergebnisoffener Dialog mit der Bistumsleitung.
Die Kritik entzündete sich am Entschluss, keine Pastoralassistentinnen
und -assistenten mehr auszubilden und einzustellen. Von der Bistumsleitung
wird erwartet, dass sie alle Anstrengungen unternimmt, die pastoralen
Dienste zu erhalten. Damit nicht genug: Der Priesterkreis und die
"Wir-sind-Kirche-Bewegung versprechen sich vom Konflikt eine verbesserte
Kommunikation zwischen Bistumsleitung, Räten und Betroffenen sowie nicht
zuletzt auch mit den Gläubigen insgesamt. Das wurde bei einem Pressegespräch
im Mentorat der Laientheologen deutlich.
Dass sich die Kirche in einem tiefgreifenden Strukturwandel befindet, wird
nach Ansicht von Heinz-Günther Schöttler, Inhaber des Lehrstuhls für
Pastoraltheologie, nirgends bezweifelt. Die Krise könne trotzdem als Chance
gesehen werden, sich des eigenen Auftrags bewusst zu werden. So schlimm die
finanzielle Entwicklung durch den Wegbruch der Kirchensteuer auch sei, noch
nie hätten sich so viele an der Diskussion beteiligt wie in der momentanen
Situation, meinte Schöttler. In einer Presseerklärung wurden die Vorschläge
von Erzbischof Ludwig Schick aufgegriffen, "über kreative Ideen der
Anstellung und Besoldung" nachzudenken. Der soziale Schwerpunkt stehe im
Zentrum einer jeden Pastoral, heißt es darin in Anlehnung an das Zweite
Vatikanische Konzil.
Eigener Hilfsfonds
Vor diesem Hintergrund will die "Wir-sind-Kirche-Bewegung" den
Einstellungsstopp für Laientheologen nicht hinnehmen. Denn dies führe "zu
einer weiter steigenden Überlastung der Geistlichen und zu einer
Vernachlässigung von Kernbereichen der Seelsorge". Haupthindernis ist das
Geld. "Großzügig gerechnet" dürfte es laut Gefängnispfarrer Hans Lyer
um
etwa eine Millionen Euro gehen. Um nicht nur Forderungen aufzustellen, will
die "Wir-sind-Kirche-Bewegung" mit einem Hilfsfonds einen Beitrag zur
Finanzierung leisten. Dazu könnte aus allen Bereichen der Bevölkerung
Unterstützung kommen. Wenn sich die Erzdiözese mit 500 000 Euro beteiligt,
wäre schon die Hälfte der erforderlichen Summe beglichen, schreiben die
Referenten in ihrer Erklärung. Das Modell solle dem durch Erzbischof Schick
initiierten Hilfsfonds für Härtefälle keine Konkurrenz machen, sondern
diesen ergänzen. Eine Ausbildung von Pastoralreferenten halten die Kritiker
auch aus moralischen Erwägungen für dringend erforderlich.
Mit einer Unterschriftenaktion unterstützt der Dekan der Nürnberger
Herz-Jesu-Pfarrei, Hans Reeg, die Solidaritätsbekundung. Der Kritik
schließen sich Mitglieder vom Berufsverband der Pastoralreferenten an. Die
eigenmächtige Entscheidung hätte Ansätze zu einer offenen, freien Diskussion
über Grundlagen der Kirchenpolitik konterkariert, sagte Monika Tremel, die
in der Pastoralkommission tätig ist. Offen ansprechen möchte die
"Wir-sind-Kirche-Bewegung" zudem Konflikte zwischen
Kirchenmitgliedern. Dazu
soll die Bistumsleitung an einen runden Tisch eingeladen werden. (Oliver van
Essenberg)
Aus: Fränkischer Tag, 27.1.2004
Quelle: http://www.fraenkischer-tag.de