Das Erzbistum Bamberg verstößt seine Laientheologen
"Dolchstoß aus der Soutane"
München, 20.1.2004. Das Erzbistum Bamberg will künftig auf
die Mitarbeit von
Laientheologen mit Universitäts-Diplom, die so genannten Pastoralreferenten,
verzichten. Die Entscheidung, die Erzbischof Ludwig Schick am heutigen
Dienstag auf einer Pressekonferenz in Bamberg offiziell bekannt geben will,
dürfte gravierende Auswirkungen auf den Fortbestand der katholischen
Fakultät in Bamberg haben. Dort studieren zur Zeit 66 angehende
Diplom-Theologen, von denen nach Schätzung der Fakultät an die 50 das
Berufsziel Pastoralreferent haben. Das Erzbistum war am Montag zu einer
Stellungnahme nicht bereit.
Das Erzbistum Bamberg ist damit das erste in Deutschland, das
Diplom-Theologen künftig nur noch dann an der Universität ausbilden will,
wenn diese auch Priester werden. Für diesen Schritt von Erzbischof Schick
gibt es nach SZ-Informationen finanzielle, aber auch kirchenpolitische
Gründe: Pastoralreferenten kosten das Erzbistum mehr als Gemeindereferenten,
die eine kürzere und stärker praxisorientierte Ausbildung an der
Fachhochschule absolviert haben. Zudem soll es im Vatikan in den vergangenen
Jahren immer wieder auf Kritik gestoßen sein, dass in Deutschland Laien,
darunter zahlreiche Frauen, die gleiche akademische Ausbildung erhielten wie
Priester und damit oft eine Form der Außenvertretung übernähmen, die
Priestern reserviert sein sollte.
Die Folgen des Ausstiegs sind aber auch nach Ansicht vieler
Kirchenverantwortlicher gravierend. Ohne Aussicht auf Anstellung werden die
Studenten aus Bamberg abwandern, fürchtet Prodekan Heinz-Günther Schöttler.
Dies bedeute das Aus für die Fakultät. "Ich hätte mir nicht gedacht, dass
der Dolchstoß aus einer Soutane kommt," sagte er. Vergangenen Freitag erst
hatten sich Kirchenvertreter zu einem mehrstündigen Gespräch mit
Wissenschaftsminister Thomas Goppel und den bayerischen Rektoren getroffen.
Die Kirchen hatten dabei ihre Position bekräftigt, keine der acht
theologischen Fakultäten in Bayern aufgeben zu wollen. Der Beschluss des
Erzbischofs ist daher selbst aus Sicht von Kircheninsidern kontraproduktiv:
"Die Attraktivität von Fakultäten erhöht das sicherlich nicht", sagt
ein
hochrangiger Kirchenmann.
Nach SZ-Informationen hat die Bistumsleitung in Bamberg Anfang vergangener
Woche beschlossen, Pastoralreferenten "ohne zeitliche Begrenzung"
nicht mehr
anzustellen - man müsse sparen, wurde den Betroffenen mitgeteilt. Auch 21
Diplom-Theologen, die das Studium bereits abgeschlossen haben und noch eine
dreijährige Ausbildungszeit durchlaufen, sollen nicht mehr übernommen
werden. "Durch diesen Beschluss wird Kirche beschädigt", sagt
Uni-Prodekan
Schöttler. Er spricht von einem Rückfall hinter das Zweite Vatikanische
Konzil, das die Mitarbeit von Laientheologen aufgewertet habe.
Pastoralreferenten arbeiten in den deutschen Bistümern vor allem in großen
Gemeinden, auf Dekanats- und Diözesanebene, als Religionslehrer oder
Krankenhaus-Seelsorger.
Der Beschluss, der am Donnerstag den Studierenden und am Freitag den
Theologen in Ausbildung mitgeteilt wurde, kam für die Betroffenen völlig
überraschend. Die Stimmung der Studenten und Auszubildenden habe "zwischen
Wut und Tränen geschwankt", wird von der Versammlung berichtet. Was nun
mit
den Theologen geschehe, sei unklar. (Monika Maier-Albang und Matthias
Drobinski)
Aus: Süddeutsche Zeitung, 20.1.2004
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/sz/bayern/red-artikel743/