Über 14.500 Unterschriften aus dem Erzbistum Bamberg
gegen Sozialkürzungen in Bayern
Caritas
übergab Unterstützerlisten Sozialministerin Stewens
14.502
Unterschriften gegen den Sozialabbau in Bayern hat die Caritas in der
Erzdiözese Bamberg gesammelt. Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon übergab
die Unterschriftenlisten gestern abend im Bayerischen Landtag Sozialministerin
Christa Stewens.
Bei der bayernweiten Aktion „Stoppt den sozialen Kahlschlag! Solidarität mit
den Schwachen“ kamen insgesamt mehr als 80.000 Unterschriften zusammen. Sie
waren vorwiegend in Caritas-Einrichtungen und Pfarrgemeinden gesammelt worden.
Das Erzbistum Bamberg erzielte dabei das zweitbeste Ergebnis und wird nur von
der Diözese Würzburg mit rund 17.500 Unterstützern überboten. Der Bamberger
Diözesan-Caritasverband wertet sein Ergebnis als beachtenswerten Erfolg, da die
Aktion ohne große Vorbereitung gestartet wurde und für das Sammeln der
Unterschriften nur knapp drei Wochen Zeit blieb.
Zur Übergabe der Listen waren neben Simon Landes-Caritasdirektor Prälat
Karl-Heinz Zerrle und die Diözesan-Caritasdirektoren Prälat Konrad
Unterhitzenberger (Passau) und Domkapitular Willibald Harrer (Eichstätt) in den
Landtag gekommen. Zerrle betonte, dass die Caritas mit ihrer Aktion denen eine
Stimme gebe, die sich selbst nicht äußern könnten und keinem einflussreichen
Interessenverband angehörten. Die Unterschriftenlisten seien „Stimmzettel“
gegen die Streichung und Kürzung sozialer Leistungen. Die bayerische
Landesregierung hatte im Sozialetat Einschnitte in Höhe von rund 161 Millionen
Euro vorgesehen. Nach den Protesten der Caritas und anderer Wohlfahrtsverbände
wurden die Pläne inzwischen etwas abgemildert. So sollten die Landeszuschüsse
für die Insolvenzberatung für verschuldete Menschen und die Hilfe für
Wohnungslose komplett entfallen. Nun will der Freistaat doch Zuschüsse
gewähren, wenn auch in deutlich geringerer Höhe als noch 2003.
Zerrle wies auch darauf hin, dass „die übereilte Kürzungspolitik“ soziale
Strukturen zerstöre, die über viele Jahre hinweg gemeinsam von
Wohlfahrtsverbänden und Staatsregierung aufgebaut worden seien. Bedroht sind
insbesondere die Beratung für Asylbewerber, Aussiedler und ausländische
Arbeitnehmer, die Erholungsmaßnahmen für gesundheitlich angeschlagene Kinder
aus sozial schwachen Familien, das Betreuungswesen und die Mutter- und
Mutter-Kind-Kuren sowie nach wie vor die Insolvenzberatung und die
Wohnungslosenhilfe.
Die Caritas befürchtet außerdem, dass die Streichung und Kürzung sozialer
Leistungen in Bayern durch die Staatsregierung und die bayerischen Bezirke im
nächsten Jahr weitergehen. Sie fordern deshalb, auf weitere einseitige
Sparmaßnahmen zu Lasten sozial schwacher, kranker, alter oder behinderter
Menschen und Familien mit Kindern zu verzichten.
Sorgen macht der Caritas auch die finanzielle Situation der Kommunen und der
bayerischen Bezirke, die als Kostenträger der überörtlichen Sozialhilfe für die
Eingliederungshilfe von Menschen mit Behinderung zuständig sind. Hier sei,
forderte Zerrle, der Freistaat Bayern dringend aufgerufen, den Bezirken durch
finanzielle Zuwendungen im Rahmen des Finanzausgleichs so weit entgegen zu
kommen, dass sie ihre gesetzlichen Aufgaben erfüllen könnten. Zu diesen
gesetzlichen Aufgaben gehören zum Beispiel die Eingliederungshilfe für Menschen
mit Behinderung und die Hilfe für psychisch kranke Menschen.
Klaus-Stefan Krieger
24.3.04
Quelle: http://katholische-kirche.de/