Erzbischof warnt vor "verheerenden Folgen"
von Arbeitslosigkeit
Für
Betroffene könne das Niedergeschlagenheit, Selbstzweifel und massive
Unsicherheit zur Folge haben
Berlin - Der
Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat Politik und Gesellschaft davor
gewarnt, die hohe Arbeitslosigkeit einfach hinzunehmen. Viele Arbeitslose
treffe es "am meisten ins Mark, anscheinend nicht mehr gebraucht zu
werden" und dies oft sogar schonungslos gesagt zu ekommen, sagte Zollitsch
bei einer Messfeier mit Bundestagsabgeordneten am Donnerstag in Berlin. So ein
Umgang mache deutlich, dass die Gesellschaft an ihren Wurzeln krank sei und
Heilung brauche. Für Betroffene könne das Niedergeschlagenheit, Selbstzweifel
und massive Unsicherheit zur Folge haben.
Auch in dieser Hinsicht sei eine grundlegende "Gesundheitsreform"
angesagt, die denen helfe, die "meinen, nicht gebraucht zu sein" und
soziale und zwischenmenschliche Stärkung bräuchten. Dazu sollten alle
politischen und kirchlichen Kräfte "stärker an einem Strang ziehen",
sagte der Erzbischof. Christlich motiviertes Sozialengagement und eine aus
christlicher Verantwortung getragene Politik müssten alles dafür tun, um die
Schwachen zu stärken. Da der Arbeitsmarkt derzeit wenig Anlass zu Hoffnung
biete, sei es um so wichtiger, kreativ und engagiert Betroffene zu begleiten,
sie zu stärken und ihnen Selbstwertgefühl zu geben.
Zollitsch verwies auf "beachtliches" Engagement vieler kirchliche und
kommunaler sozialer Einrichtungen in dem Bereich. Das reiche von
Beratungsstellen über Sozialarbeit bis zu Jugend- und Familienförderung. Es
bedränge ihn, dass kirchliche Sparmaßnahmen "uns auch in diesem Bereich zu
Einsparungen zwingen", sagte der Erzbischof. Es gehöre zur christlichen
Sendung, sowohl im Kleinen und Konkreten als auch mit allen sozialpolitischen
Möglichkeiten einer "Kultur des Gebrauchtwerdens" und damit einer
echten Kultur der Menschlichkeit und des Miteinanders den Weg zu bahnen.
Zollitsch erläuterte, es gehöre zur Verkündigung der christlichen Botschaft,
dass Gott den Menschen braucht und dass Menschen einander brauchen. Das müsse
Perspektiven eröffnen.
Zollitschhält sich seit Mittwoch zu zweitägigen Kontakten in der Hauptstadt
auf. Am Mittwoch traf er mit dem Kardinal-Höffner-Kreis von
Bundestags-Unionsabgeordneten zusammen und war Gast im Bundeskanzleramt. Am
Donnerstag war Zollitsch, der kürzlich Peru, das Partnerland der Erzdiözese
Freiburg, besucht hatte, in der peruanischen Botschaft. Aus der vor rund 30
Jahren begründeten Patenschaft des Erzbistums sei längst eine Partnerschaft
geworden, sagte er am Rande des Besuchs der Katholischen Nachrichten-Agentur
(KNA). Derzeit gehe es darum, neben den bislang engagierten 160 Pfarreien neue
Gemeinden anzusprechen und die jüngere Generation für die Partnerschaft zu
begeistern. Der "Blick über den eigenen Tellerrand hinaus" sei für
die Kirche in Deutschland von großer Bedeutung. Durch solche Projekte werde
konkret spürbar, "dass die Kirche eine Weltkirche ist".
26.03.2004
Quelle: http://katholische-kirche.de/