"Katholischer Erzbischof: Serbien von Mafia reinigen"

 

Erzbischof Hocevar forderte den Westen dazu auf, Serbien-Montenegro nicht zu vergessen, sondern auf seinem Weg nach Europa zu begleiten

 

Der Erzbischof von Belgrad und Vorsitzende der Bischofskonferenz von Serbien-Montenegro, Stanislav Hocevar, hat eine „Reinigung“ Serbiens von der Mafia gefordert. In einem Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not/Ostpriesterhilfe in München sagte Hocevar, es müssten jetzt Gesetze erlassen werden, um den beherrschenden Einfluss der organisierten Kriminalität auf Staat und Gesellschaft in Serbien zu beenden. Hocevar begrüßt den Angaben zufolge die nach dem Mordanschlag auf den serbischen Ministerpräsidenten Djindjic ergriffenen Maßnahmen der serbischen Regierung. Diese hatte zahlreiche der Mafia und extremen Nationalisten nahe stehende Medien verboten und 35 Richter in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, die verdächtigt werden, Kriminelle bevorzugt zu behandeln. Die Mafia soll auch für den Mord an Djindjic verantwortlich sein. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Zoran Zivcovic wird nach Einschätzung Hocevars den von Djindjic eingeschlagenen Reformkurs beibehalten und Serbien näher an Europa heranführen.

 

Auf das Verhältnis der Volksgruppen in Serbien-Montenegro angesprochen, sieht Hocevar Anzeichen für eine „neue Mentalität“. Der Weg zur Versöhnung im ehemaligen Jugoslawien sei zwar noch weit, doch habe der Mord an Zoran Djindjic die Menschen näher zusammen rücken lassen und ein Nachdenken bewirkt. Ihn stimme außerdem hoffnungsvoll, dass die Beziehungen der katholischen Kirche mit den serbischen Orthodoxen und anderen Glaubensgemeinschaften generell gut sei. Man arbeite eng zusammen und habe mit der Einführung des Religionsunterrichts in den Schulen bereits ein gemeinsames Ziel erreicht. Die katholische Kirche Serbiens könne einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der Gesellschaft leisten, es fehle ihr aber an finanziellen Mitteln, um Laien und Priester auszubilden und karitative Arbeit zu leisten.

 

Erzbischof Hocevar forderte den Westen dazu auf, Serbien-Montenegro nicht zu vergessen, sondern auf seinem Weg nach Europa zu begleiten. Die Staaten des Balkans bräuchten Europas Hilfe, könnten aber, wenn die Versöhnung der Völker gelänge, auch zu einer „Schule für Europa“ werden.

 

26. März 2003

Quelle: http://katholische-kirche.de/