Erfolge im Kleinen

Leserbrief zu Artikel: DIE KIRCHENVOLKSBEWEGUNG ERGRAUT (FR NACHRICHTEN VOM 9. JUNI)

Wer wie der Freiburger Religionssoziologe Michael Ebertz mal so einfach behauptet, die Kirchenvolksbewegung habe keine Erfolge aufzuweisen, der argumentiert zu sehr aus dem elfenbeinernen Turm heraus und verengt seine Argumentation zu sehr auf die Grundforderungen des Kirchenvolksbegehrens. Denn die Arbeit der Basisgruppe Hanau beispielsweise hat durchaus Ernte erbracht, auch wenn das Bestellen des kirchlichen Ackers mitunter mühsam ist. Wir haben uns mit dem Pastoralen Prozess langst befasst, bevor er unter dem neuen Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen Thema wurde. Das führte dazu, dass wir bei Algermissen Gehör fanden und er uns im persönlichen Gespräch dazu aufforderte nicht locker zu lassen. Zudem war unsere Gruppe von Anfang an gezielt sozialpolitisch engagiert, ständig die Option für die Verarmten unserer Gesellschaft vor Augen habend. Das brachte in ökumenischer Kooperation mit evangelischen Christen und teils mit dem DGB lebendige Podiumsdiskussionen über das Sozialwort der Kirchen in den Bundestagswahlkämpfen 1998 und 2002 mit sich. Derzeit ist neben dem Pastoralen Prozess die Jugendarbeitslosigkeit unser Schwerpunktthema, wobei wir zusammen mit dem örtlichen Caritasverband an einem Hilfsprojekt arbeiten. Was lernen wir daraus? Erfolge innerkirchlicher Opposition sind nicht unbedingt auf der großen Bühne der Republik zu finden, im Kleinen aber schon eher. Und sie haben damit zu tun, sich nicht sklavisch nur an die Grundforderungen des Kirchenvolksbegehrens zu halten.

JOACHIM HAAS-FELDMANN, HANAU  

 

Frankfurter Rundschau, 18.6.04, S. 8

Vgl. Artikel vom 09.06.04

 

vgl. http://www.wir-sind-kirche.de/fulda-hanau/