Hamburg (dpa) - Der Holocaust-Leugner Richard Williamson hat mit seiner als völlig unzureichend kritisierten Entschuldigung erneut einen Sturm der Entrüstung provoziert. Der Vatikan wies am Freitag die jüngste Erklärung des Bischofs der erzkonservativen Pius-Bruderschaft als zu vage zurück.
In seiner «Erklärung» entschuldigte sich Williamson zwar für «den Schaden
und den Schmerz», den seine Aussagen über die Verbrechen der Nazis angerichtet
haben. Allerdings erwähnte er weder den Begriff «Holocaust», noch bekundete er
irgendeine Solidarität mit den Juden, die er nicht einmal nannte.
«Durch den ausbleibenden eindeutigen Widerruf seiner böswilligen Lügen hat
Williamson erneut zum Ausdruck gebracht, dass er ein überzeugter Antisemit und
unverbesserlicher Holocaust-Leugner ist, der den Völkermord an sechs Millionen
jüdischen Menschen in Zweifel zieht», betonte die Präsidentin des Zentralrats
der Juden, Charlotte Knobloch, in einer Presseerklärung. Sie sei «entsetzt».
Vatikan- Sprecher Pater Federico Lombardi erklärte:
«So, wie es aussieht, erfüllt (der Brief) nicht die Bedingungen, die das
vatikanische Staatssekretariat gestellt hat.»
Papst Benedikt XVI., der Williamson und drei weitere exkommunizierte
Bischöfe der Bruderschaft Ende Januar wieder in die Kirche aufgenommen hatte,
fordert von dem Briten, «öffentlich und in absolut unmissverständlicher Weise»
sein Leugnen des Holocausts zu widerrufen. Unklar war am Freitag weiter, wo
sich der Bischof, der aus Argentinien ausgewiesen wurde und am Mittwoch in
Großbritannien ankam, aufhält. Nach Presseberichten soll er bei der
Pius-Bruderschaft im Londoner Stadtteil Wimbledon untergekommen sein.
Nach einem Treffen mit ihren europäischen Amtskollegen verwies Zypries in Brüssel darauf, dass das Interview, in dem
Williamson den Holocaust geleugnet hatte, in Deutschland aufgezeichnet wurde.
Die Staatsanwaltschaft in Regensburg ermittelt. «Grundsätzlich fällt das Delikt
unter die Regelung des europäischen Haftbefehls. Das heißt, Deutschland könnte
einen solchen Haftbefehl ausstellen, ja.» Zypries
sagte weiter, sie rechne mit ähnlichen Ermittlungen in Großbritannien. Dort ist
das Leugnen des Holocausts anders als in Deutschland aber keine Straftat.
Der Vatikan wurde aufgefordert, Maßnahmen gegen Williamson zu ergreifen:
Knobloch betonte, sie erwarte auch «eine deutliche Abgrenzung zur
antisemitischen Pius-Bruderschaft, die jüdische Menschen als Gottesmörder
bezeichnet». Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer,
sagte, wenn der Papst eine solche Gruppe aufnimmt, dann sei das eine Kursbestimmung.
Die Grundsätze der Bruderschaft seien antidemokratisch, verfassungsfeindlich,
frauen- und judenfeindlich.
Massive Kritik übte der Zentralrat der Juden auch am Augsburger Bischof Mixa. Nach einem Bericht der «Fränkischen Landeszeitung»
hatte Mixa in Anspielung auf Williamson gesagt: «Es
hat diesen Holocaust sicher in diesem Umfang mit sechs Millionen Getöteten
gegeben. Wir haben diese Zahl durch Abtreibungen aber bereits überschritten.» Mixa habe von mehr als neun Millionen Abtreibungen in den
vergangenen Jahrzehnten gesprochen und gesagt: «Diese neun Millionen fehlen
uns», zitiert das Blatt den Bischof. Der Zentralrat der Juden warf ihm
daraufhin am Freitag eine «Instrumentalisierung der Holocaust-Opfer» vor. Damit
würden Frauen und Ärzte, die sich zu einer Abtreibung entschlossen haben, «mit
KZ-Massenmördern gleichgestellt - das ist an Perfidie nicht mehr zu
überbieten», sagte Kramer der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Das Bistum wies die Darstellung empört zurück. Mixa
habe sich im Gegenteil beim politischen Aschermittwoch der CSU in Dinkelsbühl
in scharfer Form von dem Holocaust-Leugner Williamson distanziert sowie den
Mord an den über sechs Millionen Juden als entsetzliches und singuläres
Verbrechen bezeichnet. In einem «weiteren Zusammenhang» habe Mixa dann darauf hingewiesen, «dass auch in der Gegenwart
Verbrechen gegen das Leben begangen würden, die höchste Wachsamkeit
erforderten», und dabei unter anderem auch die Zahl der Abtreibungen genannt.
Die Erwähnung der «unterschiedlichen Zahlen in verschiedenen Sachzusammenhängen
bedeute aber keine Relativierung des Holocausts». Dies zu konstruieren, sei
«absurd und bösartig», hieß es.
Kramer verwies auf die am Sonntag beginnende christlich-jüdische «Woche der
Brüderlichkeit». Da werde einiges zu diskutieren sein. Die bundesweite Woche
wird von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit veranstaltet.
An der zentralen Eröffnungsveranstaltung in Hamburg nehmen Bundespräsident
Horst Köhler und Knobloch teil.
Freitag, 27. Februar
Quelle: http://de.news.yahoo.com/26/20090227/twl-emprung-ber-williamsons-erklrung-7fe18c8_2.html