31 Prozent der Türken in Deutschland sind arbeitslos

 

Essen. Das Essener Zentrum für Türkeistudien zieht nach 20-jähriger Tätigkeit eine gemischte Bilanz zur

Integration in Deutschland. Die Situation der türkischstämmigen Bevölkerung könne mit einem

"halbvollen Glas" verglichen werden, sagte Institutsleiter Faruk Sen.

 

Es gebe auf der einen Seite zahllose Unternehmer, Wohnungseigentümer und etwa 36000 junge Türken

an deutschen Hochschulen.

 

Dem stehe aber eine Arbeitslosenquote von 31 Prozent gegenüber. Etwa 40 Prozent der Jugendlichen

schafften nicht einmal an der Hauptschule einen Abschluss.

 

Sen beklagte zudem eine wachsende "Islamophobie" in der deutschen Gesellschaft, die sich nach den

Anschlägen vom 11. September 2001 entwickelt und nach den Anschlägen von Madrid und London

weiter verstärkt habe. Er räumte zugleich ein, dass es innerhalb der türkischstämmigen Bevölkerung

eine "Feindseligkeit" gegenüber der deutschen Kultur gebe. "Es gibt solche Falle." Hier seien

türkische Einrichtungen und Vereinigungen gefordert, besonders bei jungen Menschen Vorurteile

abzubauen. "Wir leben nebeneinander", betonte Sen. "Das Ziel soll ein friedliches Miteinander sein."

Dazu müsse auch die künftige Bundesregierung ihren Beitrag leisten. Sen wandte sich zugleich dagegen,

Erscheinungen wie den so genannten Ehrenmord an einer jungen Frau in Berlin überzubewerten. Dabei

handele es sich um Einzelfalle.

 

Die Stiftung Zentrum für Türkeistudien wurde 1985 gegründet, um den Wissensstand über die Türkei und

die von dort stammenden Zuwanderer in der deutschen Öffentlichkeit zu erhöhen. Dies geschieht durch

wissenschaftliche Forschung und Politikberatung.

 

Quelle: Frankfurter Neue Presse, 19.10.05, S. 1