Druck auf Bischof Krenn in Österreichs Sexskandal nimmt zu

 

Wien (AP) Im Sexskandal um das österreichische Prieserseminar St. Pölten wächst der Druck auf Bischof Kurt Krenn. Helmut Schüller, der Ombudsmann der Erzdiözese Wien für sexuelle Missbrauchsopfer, forderte am Mittwoch im österreichischen Fernsehen den Rücktritt Krenns. «Erst dann ist eine umfangreiche Untersuchung möglich», sagte Schüller im Sender Ö1. Es war die erste offene Rücktrittsforderung eines Kirchenmanns, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete. Schüller kritisierte den Vatikan als zu abwartend.

 

Krenn erklärte, er habe mittlerweile eine Kommission zur Klärung der Lage eingesetzt. Zudem bekräftigte er, der Fall sei allein eine Angelegenheit der Diözese. «Das geht die Bischofskonferenz einen Dreck an,» sagte Krenn dem Blatt «News». Zuvor hatten mehrere Bischöfe Konsequenzen aus der Affäre verlangt.

 

Auf Computern des Seminars in der Diözese St. Pölten wurden jüngst 40.000 pornografische Bilder und zahlreiche Filme beschlagnahmt. Die Österreichische Bischofskonferenz hatte am Montag eine «vollständige und zügige Untersuchung» angekündigt. Das Bischöfliche Konsistorium erklärte dazu, alles, was mit Homosexualität oder Pornografie zu tun habe, sei an einem Priesterseminar fehl am Platze. Bischof Krenn hatte für Empörung gesorgt, weil er abgestritten hatte, dass es bei den Szenen einen homosexuellem Hintergrund gebe. Vielmehr habe es sich um «Buben-Dummheiten» gehandelt.

14.7.04

Quelle: http://de.news.yahoo.com/040714/12/4487e.html

 

Pastoraler Supergau in St. Pölten

Porno-Skandal in Priesterseminar schockiert Österreich / Bischof Krenn gerät immer stärker unter Druck

 

Wegen seines Missmanagements nach der Entdeckung von Pornobildern im österreichischen Priesterseminar St. Pölten steht der erzkonservative Bischof Kurt Krenn vermutlich vor der Ablöse durch Rom.

 

VON ULRICH GLAUBER

Wien · 13. Juli · Von einem "Sumpf" spricht der steirische Bischof Egon Kapellari wegen der sexuellen Enthüllungen aus der Ausbildungsstätte für Geistliche in Niederösterreich. Einen "pastoralen Supergau" nennt der österreichische Theologe Paul Zulehner die Verharmlosungsstrategie des zuständigen Bischofs Krenn.

Nach der Entdeckung eines Computers mit Kinderpornographie im Priesterseminar und der Veröffentlichung von Fotos, welche die beiden bisherigen Leiter der Theologenschule bei offensichtlich homosexuellen Handlungen mit Nachwuchspriestern zeigen, findet sich Krenn nur mühselig zur Aufarbeitung des Skandals bereit. Nachdem der Bischof die Affäre zuerst als "Bubenstreich" herunter spielte, kündigte er nun doch eine Untersuchung von Diözesangnaden an.

Krenn kommt nach Ansicht vieler katholischer Kirchenvertreter ohnehin ein gerüttelt Maß der Schuld für die Zustände am Seminar zu. Anders als in der Priesterausbildung in den übrigen österreichischen Diözesen hatte der Kirchenmann mit dem guten Draht zum Papst auf Masse gesetzt und die Aufnahmekriterien wenig streng ausgelegt. "In St. Pölten wurden Kandidaten akzeptiert, die in anderen Seminaren abgelehnt worden waren - aus verschiedensten Gründen wie beispielsweise psychische Labilität", distanziert sich der frühere Leiter Franz Schrittwieser, der von Bischof Krenn - Sympathisant der rechtspopulistischen "Freiheitlichen" (FPÖ) - vor der Neuauslegung der Kriterien abgelöst worden war.

Viele Homosexuelle - nicht nur in St. Pölten - suchten das Priesteramt, weil innerhalb der Kirche "eine Infrastruktur für Schwule" existiere, sagt ein hoher Geistlicher im österreichische Politmagazin Profil. Die Wochenzeitschrift hat die Affäre mit dem Abdruck von Fotos homosexueller Handlungen am Seminar wieder angefacht. Die Bilder zeigen den Leiter des Seminars, wie er die Hand auf den Hosenschlitz eines Nachwuchs-Geistlichen legt. Sein Stellvertreter ist beim Zungenkuss mit einem Auszubildenden zu sehen. Die beiden deutschen Geistlichen sind inzwischen von der Seminarleitung zurückgetreten.

Berichte über die Entdeckung von Kinderpornographie in einem Computer des Priesterheims waren schon vor Monaten aufgetaucht. Der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher, selbst ehemaliger Zögling eines Priesterseminars in der Steiermark, bestreitet eine Verschleppung des Falles. Strafrechtlich relevant ist ohnehin lediglich die Kinderpornographie aus dem Internet. Die Auswertung der Sex-Fotos im beschlagnahmten Computer wird laut Ermittlern noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die österreichische Bischofskonferenz hat unterstrichen, dass die Vorgänge im Seminar intolerabel sind und rückhaltlos aufzuklären seien. Die österreichischen Medien weisen daraufhin, dass der Vatikan wegen der sexuellen Verfehlungen von Priestern ohnehin unter Druck steht. Krenn solle nach der Entsendung einer päpstlichen Untersuchungskommission spätestens im Herbst von der Diözesanspitze in der niederösterreichischen Landeshauptstadt abgelöst werden - zumal er offenbar alkoholkrank sei.

14.7.04

Frankfurter Rundschau

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/aus_aller_welt/?sid=e01d1197962aef3dd5568e60a7694d06&cnt=470299

 

Die katholische Kirche Österreichs geriet immer wieder mit Sex-Affären in die Schlagzeilen. Den Höhepunkt bildete in den 90er Jahren der "Fall Groer". Die Vorwürfe sexueller Belästigung an den 2003 gestorbenen Kardinal Hans Hermann Groer beschäftigten monatelang die Öffentlichkeit.

Im Stift Geras wurde Anfang des Jahres der Fall eines heute 60-jährigen Geistlichen bekannt, der mindestens 20 Jungen missbraucht haben soll. Ende 2003 wurde ein Tiroler Pfarrer wegen sexueller Übergriffe an Kinder seiner Aufgabe entbunden. dpa

 

Frankfurter Rundschau

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/aus_aller_welt/?sid=e01d1197962aef3dd5568e60a7694d06&cnt=470299