Katholisches Hilfswerk beklagt Diskriminierung von christlichen Minderheiten in der Türkei
Ein grundsätzliches Ja und ein großes Aber
sagt das katholische Hilfswerk missio zu EU-Beitrittsverhandlungen mit der
Türkei. Die EU solle diese Verhandlungen mit konkreten Vorgaben zur Wahrung der
Religionsfreiheit verknüpfen.
VON KARL-HEINZ BAUM
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Berlin · 1. Dezember · Die Lage nicht-moslemischer Gläubiger in der
Türkei habe sich "vom Schlechten zum Schlechteren" entwickelt, sagte
missio-Vizepräsident Gregor von Fürstenberg am Mittwoch in Berlin. Das
Hilfswerk begrüße zwar wie die christlichen Gemeinden in der Türkei die
anstehenden EU-Beitrittsverhandlungen, aber Religionsfreiheit als Menschenrecht
sei für einen Beitritt unbedingt Voraussetzung.
Fürstenberg verlangte, die EU-Kommission müsse über eine ständige, unabhängige
Kontrolle eine Entwicklung fördern, die zu wirklicher Religionsfreiheit führe.
Das EU-Parlament solle dafür eindeutige Vorgaben machen. So müsse die Türkei
endlich religiöse Minderheiten rechtlich anerkennen, ihnen erlauben, eigene
Gebetsstätten zu besitzen und eigenverantwortlich Priester auszubilden. In der
Türkei leben laut missio rund 120 000 Christen, darunter 25 000 Katholiken,
sowie 20 000 Juden; bei 71 Millionen Einwohnern entspricht das insgesamt 0,2
Prozent.
Der Pfarrer der internationalen christlichen Gemeinde in Ankara, Felix Körner,
berichtete, dass vereinzelt Christen verhaftet und gefoltert worden seien.
Kirchliche und diplomatische Beschwerden würden abgetan; die Polizei verweigere
nicht selten Hilfe, spreche von Phantasien oder gebe Folterwunden als Folgen
einer angeblichen Sauftour aus. Auch andere nicht-moslemische
Religionsgemeinschaften klagten über Diskriminierungen und
"Anschläge".
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Wolfgang Huber,
warnte laut epd vor einer Falle des "Alles oder Nichts" bei den
Türkei-Gesprächen. Auch das Modell einer privilegierten Partnerschaft müsse als
ein mögliches Ergebnis im Blick sein, sagte er in Brüssel. Die europäischen
Staats- und Regierungschefs entscheiden am 17. Dezember über den Beginn von
Verhandlungen.
Quelle: Frankfurter Rundschau, 2.12.04, S. 5
http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=598989&