China lehnt Einladung für Bischöfe nach Rom ab

Türkei zeigt Interesse an Papstbesuch

 

Peking (AP) China hat eine Einladung von Papst Benedikt XVI. für die Bischöfe der staatlich sanktionierten und der katholischen Untergrundkirche zur Synode im Oktober in Rom abgelehnt. Es war ein deutlicher Dämpfer für die in jüngster Zeit wieder etwas besser gewordenen Beziehungen zwischen dem Vatikan und China. Der Vatikan lasse mit einer Einladung jeden Respekt vermissen, hieß es in einer von der Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Erklärung. Schließlich habe China schon mitgeteilt, dass die Bischöfe zu alt und zu krank für eine solche Reise seien.

 

Die in der vergangenen Woche von Papst Benedikt ausgesprochene Einladung galt als Zeichen seiner Bemühungen die chinesischen Katholiken zu vereinigen. Im vergangenen Monat hatte er 28 Priester der staatlich kontrollierten Kirche im Vatikan empfangen. Es war vermutlich das erste Mal, dass dies ein Papst getan hatte. Die kommunistische Regierung in Peking hatte die Katholiken des Landes 1951 gezwungen, ihre Beziehungen zum Vatikan abzubrechen. Die staatlich kontrollierte Kirche erkennt den Papst zwar als geistliches Oberhaupt an, sie ernennt aber selbst ihre Priester und Bischöfe. Daneben existiert weiter eine katholische Untergrundkirche, die über rund zwölf Millionen Anhänger verfügen soll.

 

Die Türkei bekundete unterdessen ihr Interesse an einem Besuch von Papst Benedikt im November. Es werde derzeit versucht, einen genauen Termin zu finden, hieß es. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hatte Benedikt zum orthodoxen St.-Andreas-Fest nach Istanbul eingeladen, am Donnerstag hatte dann Kardinal Walter Kasper, der oberste Beauftragte Benedikts für die Ökumene, das Interesse des Papstes an einem Besuch der Türkei bekundet. Die Türkei messe einem Besuch große Bedeutung bei und bemühe sich um einen Termin, erklärte das Außenministerium in Ankara am Samstag.

 

11. September 2005

Quelle: http://de.news.yahoo.com/050911/12/4olfc.html

 

 

 

Peking lässt Benedikt XVI. auflaufen

Chinas regierungstreue Katholiken schlagen Einladung nach Rom aus - und kritisieren deren Veröffentlichung

Mit einer ruppigen Note hat Peking auf eine versöhnliche Geste des Vatikans - eine Einladung an staatstreue chinesische Bischöfe - reagiert. Problem ist offenbar die Anerkennung Taiwans durch den Vatikan.

Peking · Sowohl die staatlich anerkannte als auch die Untergrundkirche hätten die Einladung abgelehnt, berichtete der katholische Nachrichtendienst Asianews am Montag in Rom unter Berufung auf die amtliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua. Seit der Machtübernahme der Kommunisten in China ist das Verhältnis zwischen Peking und dem Vatikan zerrüttet. In China stehen sämtliche Religionen unter strikter Kontrolle der kommunistischen Partei; die zehn bis zwölf Millionen Katholiken können ihren Glauben seit 1957 nur noch unter dem Dach der staatstreuen "Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung" (KPV) ausüben. Kontakte zu Rom sind untersagt. Außerdem etablierte sich eine an Rom ausgerichtete Untergrundkirche, deren Anhänger großen Repressalien ausgesetzt sind. Tausende Katholiken sind Schätzungen zufolge in Haft.

 

Zeichen der Entspannung


Der Vatikan hat immer wieder versucht, die Situation seiner Schäfchen in China zu verbessern, doch auf Vorstöße Roms folgte in der Regel eine noch ärgere Eiszeit. Dieselbe Erfahrung macht nun offenbar auch Papst Benedikt XVI.: Die Einladung an drei Bischöfe der KPV und an einen Bischof der Untergrundkirche zur Teilnahme an der Weltbischofssynode im Oktober wurde mit einer Absage quittiert und der scharfen Kritik, dass die Einladung öffentlich gemacht wurde. Dabei hatte Benedikt XVI. ein Zeichen der Entspannung zu setzen versucht: Die Berufung der "patriotischen Bischöfe" nach Rom war ein einmaliger Schritt.

Das Hauptproblem ist die Anerkennung Taiwans durch den Vatikan. Bereits im April war es deswegen zu einem Zwischenfall gekommen: Die Delegation der Volksrepublik sagte ihre Beteiligung an den Trauerfeierlichkeiten für Johannes Paul II. wieder ab, weil Taiwans Präsident Chen Shui-bian ebenfalls anwesend war. In ihrem Glückwunschschreiben zu seiner Wahl zum Papst an Benedikt XVI. machte die chinesische Führung einmal mehr klar, was vom Vatikan zur Verbesserung der Beziehungen erwartet wird: die Anerkennung der Pekinger Führung als einzige legitime Regierung Chinas inklusive Taiwans, sowie die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas.

Mit letzterem war die Ernennung von chinesischen Bischöfen gemeint. Ob die Absage der "patriotischen" Bischöfe nur ein Rückschlag ist oder aber den Beginn einer neuen Eiszeit zwischen dem Vatikan und Peking markiert, bleibt abzuwarten. Eigentlich hatte sich in den vergangenen Monaten eine deutliche Entspannung abgezeichnet. So hatten sich im Sommer die chinesische Regierung und der Heilige Stuhl gleich zweimal innerhalb weniger Wochen auf einen gemeinsamen Bischofskandidaten geeinigt - ein Novum in dem äußerst schwierigen Verhältnis zwischen dem Vatikan und Peking. Seit 1951 gibt es keine diplomatischen Beziehungen mehr.

Bereits seit 2004 - noch unter Johannes Paul II. - hatte die internationale Laiengemeinschaft Sant'Egidio ihrem Gründer Andrea Riccardi zufolge im Auftrag des Vatikans Geheimverhandlungen mit Peking begonnen. Auch der neue Papst setzte die Verbesserung der Beziehungen weit oben auf seine Prioritätenliste, und in seinen Sommerferien erklärte Benedikt XVI., er hoffe auf eine "positive Entwicklung". Diese Hoffnung hat nun einen Dämpfer bekommen. Für einen Durchbruch wäre wohl der "Verrat" Taiwans durch den Vatikan erforderlich - doch diesen Preis scheint Rom für die Einheit und Unabhängigkeit der Kirche in China nicht zahlen zu wollen.

Dominik Straub

Frankfurter Rundschau, 13.9.05, S. 7

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=725278&