Caritas enttäuscht
über Landtagsentscheidung
5566 Unterschriften aus dem Bistum Eichstätt gegen Stoibers
Sozialkürzungen
Eichstätt/München. (pde) - Als "enttäuschend, sozial bedenklich und
wirtschaftlich kurzsichtig" hat der Eichstätter Caritasdirektor Willibald
Harrer den Beschluss der Bayerischen Landtages bezeichnet, im laufenden
Sozialhaushalt rund 160 Millionen Euro einzusparen. In einer ersten Reaktion
auf die heute Nacht in München getroffene Entscheidung sprach Harrer von vielen
Verlierern. "Vor allem Kinder und Jugendliche, Familien, behinderte und
alte Menschen sowie Aussiedler und Flüchtlinge im Bistum Eichstätt werden die
Kürzungen zu spüren bekommen." Die Caritas werde ihre vielfach bewährten
Hilfen nicht im bisherigen Umfang leisten können, wies Harrer auf bevorstehende
Einschränkungen sozialer Dienste hin. In welchem Umfang wegen der fehlenden
Zuschüsse auch Planstellen gekürzt werden müssten, konnte Harrer noch nicht
sagen.
Noch vor den abschließenden Beratungen des Nachtragshaushaltes 2004 hatte
Caritasdirektor Willibald Harrer Unterschriftenlisten gegen den Sozialabbau in
Bayern an Sozialministerin Christa Stewens in München übergeben. Innerhalb von
zwei Wochen sammelte der Caritasverband Eichstätt 5566 Unterschriften im
gesamten Bistum. "Wir wollten denen eine Stimme geben, die ihre Interessen
nicht selbst vertreten können" erläuterte Harrer das Ziel der Aktion.
Trotz des großartigen Engagements der Unterzeichner und trotz vieler anderer
Protestformen habe man das Streichkonzert nur in zwei Bereichen etwas abmildern
können: So wurden die Landeszuschüsse für die Insolvenzberatung für
überschuldete Menschen und die Hilfe für Wohnungslose nicht so stark gekürzt
wie ursprünglich geplant.
Im Rahmen einer landesweiten Aktion waren rund 80.000 Unterschriften
zusammengekommen. Landescaritasdirektor Prälat Karl-Heinz Zerrle betonte bei
der Übergabe an die Ministerin im Bayerischen Landtag, die Unterschriften
dürften von der Staatsregierung nicht unterschätzt werden. Sie seien
"Wählermeinungen zu einer bestimmten Art von Politik". Gleichzeitig
warnte Zerrle die Regierung davor, im nächsten Doppelhaushalt 2005/2006
ähnliche Sozialkürzungen vorzunehmen. Wenn dies so komme, müssten Dienste und
Einrichtungen nach der Einschränkung ihrer Angebote in diesem Jahr endgültig
geschlossen werden. "Es kann doch nicht Ziel einer christlich orientierten
Politik sein, Menschen in Not allein zu lassen", sagte Zerrle. Er verstehe
die Pläne der Bayerischen Staatsregierung, den künftigen Generationen keinen
überschuldeten Staat hinterlassen zu wollen. Deshalb sei eine Sparpolitik
grundsätzlich richtig. Späteren Generationen sei aber auch nicht gedient, wenn
man ihnen einen unsozialen Staat und eine unsolidarische Gesellschaft übergebe.
17.3.04
Quelle: http://katholische-kirche.de/