Amtsbereich von Bischof Franz Kamphaus verliert
im Jahresschnitt 6 500 Katholiken / Weniger Hochzeiten
Das Bistum Limburg hat seit 1994 neun Prozent seiner
Mitglieder verloren. In den vergangenen zehn Jahren hat sich zudem die Zahl der
Trauungen im Bistum halbiert. Das ist das Ergebnis einer statistischen
Untersuchung des Bischöflichen Ordinariats.
VON GEORG KRONENBERG
![]()
Limburg · 20. Januar · Von 758 000 Katholiken im Jahr 1994 ist die Zahl der Kirchenmitglieder im Amtsbereich von Bischof Franz Kamphaus bis 2003 auf 693 000 gefallen. Damit hat das zu den kleineren der 27 deutschen Diözesen gehörende Bistum jährlich durchschnittlich 6 500 Katholiken verloren, obwohl die Gesamtbevölkerung im Einzugsbereich seit 1994 sogar leicht zugenommen hat (2,322 Millionen Einwohner im Jahr 2003). Deutschlandweit hat die Zahl der Katholiken seit 1994 nach Angaben der Katholischen Kirche um 6,2 Prozent abgenommen. Mit einem Mitgliederschwund von neun Prozent liegt das Bistum Limburg über dem Bundesschnitt.

Weniger Sonntagsgottesdienste
"Die zwei wesentlichen Faktoren für den Rückgang sind die Überalterung und
die hohe Zahl der Kirchenaustritte", berichtet Gerhard Buballa, Referent
für Kirchenentwicklung im Bistum, der die statistische Langzeitanalyse
erarbeitet hat. Hält der negative Trend an, werden nach seiner Prognose in 20
Jahren nur noch knapp 522 000 Katholiken in Bistum leben.
Auch das kirchliche Leben hat sich laut der Untersuchung seit 1994 deutlich
gewandelt. So gehen fast 28 Prozent weniger Katholiken als vor zehn Jahren zum
sonntäglichen Gottesdienst. Parallel dazu ist die Zahl der Sonntagsgottesdienste
ebenfalls um 11 Prozent gesunken. Deutlich höher ist der Einbruch bei der
Eheschließungen. In den letzten zehn Jahren haben sich die kirchlichen
Trauungen fast halbiert.
Hier machen sich laut Buballa gesellschaftliche Trends besonders deutlich
bemerkbar: Der Anstieg des Heiratsalters, die zunehmende Berufstätigkeit von
Frauen und die Tatsache, dass immer mehr Menschen als "Single" leben,
seien einige der Gründe für den Rückgang.
Zu dem knapp 6200 Quadratkilometer großen Gebiet des Bistums gehören das
nördliche Rhein-Main-Gebiet mit Frankfurt und der hessischen Landeshauptstadt
Wiesbaden genauso wie die ländlichen Gebiete im Rheingau, Westerwald, Taunus
und nördlich von Wetzlar. Bereits im Herbst 2003 hat die Diözese wegen des
Mitgliederrückgangs und des damit verbundenen Einbruchs bei der Kirchensteuer -
der wichtigsten Einnahmequelle - einen harten Sparkurs beschlossen. Bis zum
Jahr 2008 will das Bistum insgesamt rund 32 Millionen Euro des zurzeit 170
Millionen Euro großen Haushalts einsparen. Geplant ist unter anderem, die Zahl
der Gemeinden durch Zusammenlegung zu reduzieren. Mindestens 115 der 1200
Vollzeitstellen sollen wegfallen. Außerdem erwägt das Bistum, sich von 25
Prozent seiner Immobilien zu trennen.
Frankfurter Rundschau, 21.1.05, S. 32
Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/frankfurt_und_hessen/frankfurt_und_hessen/?cnt=620686&