Frankfurter Stadtdekan fühlt sich durch Sparpläne des Limburger Bischofs zur Handlungsunfähigkeit verdammt
Offener Brief von Dr. Raban Tilmann, Stadtdekan in Frankfurt,
an den Bischof von Limburg Dr. Franz Kamphaus
Lieber Bischof Franz,
mit Schreiben des Herrn Generalvikar Geis vom 3.9.02 an die Bezirksdekane und die Dezernenten des Bischöflichen Ordinariates haben Sie Ihre Absichten offen gelegt, die pastorale Struktur in den Bezirken des Bistums zu vereinfachen. Diese Absichten haben Sie in der Plenarkonferenz des Bischöflichen Ordinariates am 2.9.02 und auf dem Priestertag der Diözese am 9.9.02 in Limburg dargelegt und begründet. Im einzelnen wollen Sie
Den Brief des Generalvikars habe ich sofort den Dekanen, den Abteilungsleitern im Bezirksamt und dem Vorstand des Stadtsynodalrates und der Stadtversammlung zur Kenntnis gegeben. Der Stadtsynodalrat wird sich am 17.9.02 mit dem Brief beschäftigen, der mittlerweile im Internet veröffentlich wurde.
Fälschlicherweise wird die katholische Stadtkirche Frankfurt seit Jahrzehnten als einer der elf Bezirke des Bistum bezeichnet und behandelt. Das ist völlig unsachgemäß. Die pastorale Situation in Frankfurt unterscheidet sich fundamental von den pastoralen Aufgaben in z.B. Lahnstein, Dillenburg und Wetzlar. Ich will mich nicht länger als Bezirksdekan anreden lassen. Die Stadtkirche Frankfurt benötigt eine viel differenziertere Substrukturierung als andere Regionen des Bistums. Das katholische Frankfurt lässt sich nicht unter den Oberbegriff "Bezirk" zwingen.
Schon bei der Gründung des Bistums, dessen 175-jähriges Bestehen wir in diesen Tagen feiern, wurde nach Verhandlungen die besondere Situation der freien Reichsstadt Frankfurt berücksichtigt. Der Stadtpfarrer von Frankfurt mit Sitz am Kaiserdom bekam einen Sitz als nicht residierender Domkapitular im Domkapitel Limburg.
Der Stadtpfarrer erhielt den besonderen Titel "Bischöflicher Kommissar", um seinen Status bei Verhandlungen mit der Stadt Frankfurt zu stärken. Es wurde ein "Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden" in Frankfurt gebildet, der eine öffentlich-rechtliche Körperschaft und voll rechtsfähig ist. Aus der "Katholischen Aktion" erwuchs ein Zentralausschuss der Katholiken Frankfurts, eine pastorale Vertretungskörperschaft vor der Bildung der Bezirke.
Sie selbst haben die Diskussion begleitet, ob man den Bistumsnamen in "LimburgFrankfurt" erweitern solle. Das Domkapitel Limburg hatte mit Mehrheit zugestimmt, der Diözesansynodalrat hat Ihnen mit einer Mehrheit von 12:9 diesen Rat nicht erteilt. Sie selbst haben die Möglichkeit erwogen, in Rom einen Weihbischof mit Sitz in Frankfurt zu erbitten, um der Bedeutung Frankfurts im Bistum gerecht zu werden (dies schreibe ich ohne jeden persönlichen Ehrgeiz). Stattdessen wurde Frankfurt in einer Kette von Einzelentscheidungen seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten schrittweise beraubt. Das Rentamt wurde von Frankfurt nach Kelkheim abgezogen. Der Justiziar des Bistums vom Gesamtverband ins Bischöfliche Ordinariat Limburg versetzt. Da kann mich nur trösten, dass Sie von sich aus zugesagt haben, die Planungen für ein "Haus am Dom" in Frankfurt unangetastet zu lassen.
In Kenntnis dieser Vorgeschichte und der Zusammenhänge haben Sie bei der mündlichen Vorstellung Ihrer Absichten in der Plenarkonferenz am 2.9.02 zugesagt, für die Großstädte Frankfurt und Wiesbaden eine Sonderregelung zu finden. Leider finde ich diese Zusage im Brief des Generalvikars nicht mehr wieder. Ich möchte auf diese Zusage zurückkommen und auf ihr bestehen.
Lieber Herr Bischof, Sie lassen Ihren Stadtdekan in Frankfurt strukturell ohne Hände und Füße. Mit einem persönlichen Referenten an der Seite kann ich die katholische Stadtkirche nicht leiten. Ohnehin sind schon viele, vielleicht allzu viele Ämter in der Person des Stadtdekans kumuliert: Dompfarrer, Vorsitzender des Geamtverbandes, Vorsitzender des Caritasverbandes, Domkapitular, bischöflicher Kommissar. Mir gegenüber steht ein wohl organisierter evangelischer Regionalverband und ein arbeitsteiliger Magistrat. Wie soll ich als Person alle diese komplizierten Bezüge abdecken? In derselben Zeit, in der die evangelische Kirche die mittlere Ebene ausbaut und hauptamtliche Dekane wählen lässt, schaffen Sie die katholischen Dekane ab.
Frankfurt braucht eine legitimierte Katholikenvertretung. Es ist falsch, zwischen der Gemeindevertretung der Kirchengemeinde (Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat) nach synodalem Recht und den Räten auf Bistumsebene ein Vakuum zu lassen. Das würde die Rückzugstendenzen in den Kirchengemeinden stärken und zugleich die spürbaren Zentralisierungstendenzen in Limburg keine sehr zukunftsfähige Entwicklung!
Wenn Sie Ihre veröffentlichten Absichten verwirklichen, braucht Frankfurt keine Sonderregelung als Ausnahme von der Regelung anderswo, sondern eine eigenständige strukturelle Antwort, damit die katholische Kirche in der Stadt Frankfurt leben und der Stadtdekan handeln kann. Ich werde mich auf eine Versammlung der Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden und eine regelmäßige Konferenz der priesterlichen Leiter bzw. Koordinatoren der neuen pastoralen Räume stützen.
Nach Erkundungen und Beratungen werde ich zu gegebener Zeit mit Vorschlägen an Sie herantreten.
Mit brüderlichen Grüßen
PS Diesen Brief gebe ich den Mitgliedern des Stadtsynodalrats in der Sitzung am 17.9.02 zur Kenntnis
Quelle: http://www.frankfurt-katholisch.de/
18.9.02