Bistum Limburg rechnet mit erheblichem Haushaltsdefizit
Noch im laufenden Haushalt muss massiv eingespart werden Bischof kündigt strukturelle Veränderungen an
LIMBURG (ids). Angesichts der seit Herbst 2001 dramatisch zurückgegangenen Kirchensteuereinnahmen rechnet das Bistum Limburg im Jahr 2002 mit einem Haushaltsdefizit von 10 Millionen EURO. Angesichts der negativen Prognosen hat der Finanzdirektor des Bistums, Georg Freiherr von Boeselager, am Dienstag, 10. September, eine Wiederbesetzungssperre für alle frei werdenden Stellen verfügt. Außerdem wurde der laufende Bauetat um 3,5 Millionen EURO gekürzt. Sollte sich die negative Entwicklung fortsetzen, ist eine Haushaltssperre nicht auszuschließen. Der Haushalt des Bistums Limburg hat im Jahr 2002 ein Volumen von 182,5 Millionen EURO.
Bereits im Mai hatte der Diözesankirchensteuerrat auf die Notwendigkeit hingewiesen, durch strukturelle Maßnahmen dafür zu sorgen, dass mittelfristig die Haushaltspläne des Bistums wieder ausgeglichen sind, da eine längerfristige Deckung von Defiziten aus Rücklagen nicht möglich sei. Der Diözesankirchensteuerrat, der über den Haushaltsplan des Bistums entscheidet, hatte Bischof Franz Kamphaus aufgefordert, bis zur Entscheidung über den Haushalt 2003 im November 2002 erste Vorschläge zu unterbreiten.
Anlässlich seines 20jährigen Bischofsjubiläums im Juni dieses Jahres hatte Bischof Franz Kamphaus mehrfach darauf hingewiesen, dass er es in den kommenden fünf Jahren als seine Aufgabe ansieht, unabhängig von allen Spardebatten einen Strukturwandel im Bistum herbeizuführen. "Wir werden weniger, aber die alten Strukturen werden einfach weitergeführt. Das macht uns auf Dauer unbeweglich", hatte der Bischof festgestellt. Am 30. Juni 2002 gehörten noch 699.000 Katholiken zum Bistum Limburg. Ein Problem sei, dass Kirche sich zu wenig aktiv ändere, "wir werden von außen geändert, zum Beispiel durch die gesellschaftlichen Veränderungen und Trends". hatte Kamphaus in einem Interview gesagt. Er hatte gekündigt, nach der Sommerpause entsprechende Überlegungen vorzulegen. Über diese Vorschläge hatte der Bischof Anfang September die Plenar- und Dezernentenkonferenz des Bischöflichen Ordinariates informiert. Der Diözesansynodalrat, das oberste Beratungsgremium des Bischofs, wird sich im Oktober mit den Veränderungsvorschlägen des Bischofs befassen.
Unter anderem soll nach den Vorstellungen des Bischofs künftig auf die Bezirksämter verzichtet werden. Die synodalen Gremien auf Bezirksebene sollen gestrichen werden. Entfallen werden ebenfalls die Dekanate. Kritisch soll auch die Anzahl der Kirchengemeinden überprüft werden, wie dies in einigen Gebieten des Bistums bereits durch die Pfarreien selbst geschieht. Außerdem sieht der Bischof die Notwendigkeit, dass sich Bistum und Pfarreien von rund einem Viertel ihres Gebäudebestandes trennen. Gleichzeitig will Kamphaus in den Bereichen Familie, Kinder, Jugend und Schule neue pastorale Schwerpunkte setzen. Entscheidend sei es, auf Dauer eine ausreichende Zahl haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben, die die kirchlichen Einrichtungen im Bistum profilierten. Einer umfassend verstandenen Berufungspastoral komme daher eine besondere Bedeutung zu. Neue Initiativen gelte es auch in Richtung auf eine missionarisch aktive Kirche hin zu entwickeln.
In einem Schreiben vom 3. September 2002 hatte Generalvikar Dr. Günther Geis die Äußerungen des Bischofs als Basis für die weiteren Beratungen zusammengefasst.
11.09.2002
Quelle: http://katholische-kirche.de/