Diözese von Boston erwägt offenbar Insolvenzantrag

Boston (AFP) Angesichts von rund 450 Pädophilie-Klagen erwägt die Erzdiözese von Boston im US-Bundesstaat Massachusetts, einen Insolvenzantrag zu stellen. Seine Berater hätten Kardinal Bernard Law einstimmig dazu geraten, berichtete die US-Tageszeitung "Boston Globe". Ein Insolvenzantrag hätte laut der Zeitung zur Folge, dass die etwa 450 eingereichten Missbrauchsklagen ausgesetzt würden und keine neuen Klagen eingereicht werden könnten, solange die Diözese ihre Finanzen neu organisiert. Law bräuchte demnach keine heiklen Fragen zu pädophilen Priestern zu beantworten.

Weiterhin müssten Laws Anwälte den Vertretern der Anklage keine belastenden Informationen aushändigen. Andererseits könnte die Diözese nach Angaben der Zeitung vor einem Konkursgericht zu einer höheren Entschädigungszahlung verpflichtet werden als vor einem Zivilgericht.

Law hatte nach der Klage von ursprünglich 86 Missbrauchsopfern gegen einen katholischen Pfarrer aus seiner Diözese im vergangenen Frühjahr eine Entschädigung in Höhe von zehn Millionen Dollar (gut zehn Millionen Euro) angeboten. Im Sommer hatten mehrere tausend Gläubige seinen Rücktritt gefordert. Der Erzbischof von Boston soll Fälle von Kindesmissbrauch in seinem Amtsbereich jahrelang vertuscht haben.

2. Dezember 2002

Quelle: http://de.news.yahoo.com/021202/286/33k3u.html