Bistümern fehlt das Geld an allen Enden

Bonn · 18. Oktober · kna · Die katholischen Bistümer in Deutschland müssen wegen teils unerwartet hoher Rückgänge der Kirchensteuereinnahmen die Notbremse ziehen und sparen. Der Grund: Die schlechte Konjunktur, weniger Katholiken und die Steuerreform. Auch auf Anraten externer Unternehmensberater greift die Kirche zu unpopulären Maßnahmen und gibt etwa Kindergartengruppen, Büchereien und Bildungshäuser auf. Auch betriebsbedingte Kündigungen stehen an. Zwischen sieben und elf Prozent weniger Einnahmen verzeichnen einzelne Bistümer im laufenden Jahr; sie erlassen Haushaltssperren und greifen auf Rücklagen zurück. Die Diözesen von Berlin und Aachen haben sogar eine Finanzkrise zu bewältigen. Das Erzbistum Berlin, das im Jahr 2002 einen Schuldenberg von 148 Millionen Euro angehäuft hatte, muss seinen harten Sanierungskurs fortsetzen. Die Verbindlichkeiten wurden bis jetzt auf 82 Millionen Euro reduziert - nicht zuletzt mit Hilfe der anderen Bistümer.

Die Basis kocht


Aachen hat angekündigt, seinen Jahresetat bis 2008 um 60 Millionen Euro zu reduzieren und 370 von insgesamt 1612 Stellen abzubauen, 150 davon bereits zum Jahresende 2004. Die Basis kocht. Die Diözese geht davon aus, dass ihre Gesamteinnahmen von derzeit rund 274 auf etwa 245 Millionen Euro im Jahr 2008 sinken. Trotz rigider Sparmaßnahmen besteht dann immer noch eine Lücke von 57,5 Millionen Euro, die durch Immobilienverkäufe und Gehaltskürzungen geschlossen werden soll. Im Gegensatz zu Aachen sieht sich die Nachbar-Erzdiöse Köln nicht in einer krisenhaften Lage. Um aber einem "finanziellen Desaster" vorzubeugen, kündigte Kardinal Joachim Meisner Einsparungen in Höhe von 90 Millionen Euro bis zum Jahr 2007 an.

Die Probleme der Bistümer beunruhigen auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Dessen Präsident Hans Joachim Meyer beklagte den Eindruck, "dass jedes Bistum meint, besser für sich allein überleben zu können". Er fordert ein "deutschlandweites Konzept" - und bietet den Rat des obersten Laien-Gremiums an.

Frankfuter Rundschau, 19.10.04, S. 4

Quelle: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=533648&