Der Regensburger Bischof Müller hat die Laiengremien in seinem Bistum abgeschafft und damit einen Sonderweg eingeschlagen. Die Empörung ist groß.
VON IRIS HILBERTH
Diözesanrat und
Dekanatsräte seien nicht mehr zeitgemäß, begründete Bischof Gerhard Ludwig
Müller die Abschaffung der Laiengremien in Regensburg. Weil er die
demokratischen Strukturen des Kirchenvolks stark beschneidet, musste er nicht
nur Kritik vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) einstecken,
sondern auch vom Münchner Kardinal Friedrich Wetter. Müller zeigt sich
allerdings nicht beeindruckt: "Die Kirche ist halt keine Demokratie."
Die Ankündigung der Regensburger Neuregelung kam überraschend. Eine Woche zuvor
noch hatten die bayerischen Bischöfe bei ihrer Herbstversammlung
zusammengesessen, ohne dass etwas über Müllers Pläne bekannt geworden wäre. Vor
der Presse stellte der Regensburger Bischof dann diese Woche alle vor
vollendete Tatsachen. Bislang waren im Bistum Laien in den Pfarrgemeinderäten,
den Dekanatsräten und im Diözesanrat in das kirchliche Leben eingebunden. Die
33 Dekanatsrats-Gremien wurden ebenso aufgelöst wie der Diözesanrat, in dem 70
gewählte Vertreter von Dekanaten, Verbänden und geistlichen Bewegungen sowie
Beauftragte des Bischofs saßen. Sie hatten laut Satzung die Aufgabe, "die
Entwicklung im gesellschaftlichen, staatlichen und kirchlichen Leben zu
beobachten und die Anliegen der Katholiken des Bistums in Kirche und
Öffentlichkeit zu vertreten".
Statt des Diözesanrats soll es künftig in Müllers Bistum neben einem
Diözesankomitee als öffentlicher Vertretung der katholischen Verbände und
Organisationen einen Diözesanpastoralrat geben. Er soll den Bischof in Fragen
der Seelsorge beraten; die Mitglieder (23 Laien und 16 Geistliche) ernennt er
selbst. Auch die Pfarrgemeinderäte dürfen ihren Vorsitzenden nicht mehr selbst
wählen. Automatisch soll nun der Pfarrer dem Rat der Pfarrgemeinde vorstehen.
Der seit seinem Amtsantritt 2002 als umstritten geltende Bischof sorgt mit
dieser Änderung erneut für Unmut in seinem Bistum. Schon mehrfach hat es
Konfrontationen zwischen den katholischen Laien und Müller gegeben, weil der
von seinen Gläubigen unbedingten Gehorsam verlangt. Sowohl Pfarrer als auch
Mitglieder der Laiengremien, die Kritik an seinem als stark autoritär
empfundenen Amtsstil geäußert hatten, entmachtete Müller oder setzte sie ganz
ab. Mit seinem letzten Schritt setzt sich der Bischof nun über die Beschlüsse
des Konzils und der Würzburger Synode hinweg, die Anfang der 70er Jahre die
Mitwirkung von Laien und die Bildung von Diözesanräten regelte.
Kardinal Wetter distanzierte sich vom Alleingang des Bischofs. Verärgert war er
vor allem über eine Mitteilung an die Pfarreien im Bistum, die den Eindruck
erweckt habe, demokratisch legitimierte Katholikenräte in anderen Bistümern
seien altmodisch. ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer sprach sogar von
"offenem Rechtsbruch".
Nach: Frankfurter Rundschau, 19.11.05, S. 1