Bad Abbach, 4.7.2003. Nach der Entlassung eines Deggendorfer
Diözesanrats
wegen dessen Zugehörigkeit zu der Laienbewegung "Wir sind Kirche" hat
der
Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller den Pfarrer von Bad Abbach,
Siegfried Felber, vorzeitig in Pension geschickt. Der 66-Jährige habe sich
eines Vertrauensbruchs schuldig gemacht, weil "vertrauliche Vorgänge"
an die
Öffentlichkeit gelangt seien. Zudem missfiel dem Bischof offenbar die
unkonventionelle Art Felbers. So verwendet der Pfarrer, der bereits seit 22
Jahren in Bad Abbach ist, beim Abendmahl nicht Hostien, sondern Fladenbrot.
Im April hatte der Geistliche Mitgliedern der Gruppe "Wir sind
Kirche" das
Pfarrheim für eine Veranstaltung zur Verfügung gestellt, bei der auch der im
April entlassene Diözesanrat Johannes Grabmeier anwesend war. Daraufhin ließ
der Bischof dem Pfarrer eine Erklärung zur Unterschrift vorlegen. Darin
heißt es: "Außerdem wird zur Auflage gemacht, Bewegungen, die keine
kirchliche Anerkennung besitzen, pfarrliche Räume nicht zur Verfügung zu
stellen."
Zudem wurde der Pfarrer aufgefordert, im eucharistischen Hochgebet den Namen
des Papstes und des Bischofs von Regensburg zu nennen. Felber formulierte
bisher "Kirchenleitungen". Gleichzeitig sollte er versprechen, sich
nicht
abfällig über den Bischof von Regensburg und seine Amtsführung zu äußern.
Felber machte diesen Brief öffentlich. Rechtlich wolle er gegen die
Entscheidung des Bischofs nicht vorgehen, sagte Felber. "Unter Christen
sollte man aber anders miteinander umgehen." (dpa/ddp)
Aus: Süddeutsche Zeitung, 4.7.2003
Quelle: http://www.sueddeutsche.de/sz/bayern/red-artikel6062/