Bischof Müller findet Kritik
an seinem selbstherrlichen Führungsstil "dreist und unverschämt"
Absoluter Gehorsam ist wohl das, was der
Regensburger Bischof Müller von seinen Schäfchen verlangt: das bekam nun auch
der Straubinger Schulamtsdirektor Willi Goetz zu spüren. Er wurde als
Verbindungsmann der Religionslehrer entlassen.
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München · Oberhirte Gerhard Ludwig Müller ist nicht gerade zimperlich
mit seinen Kritikern. Vor zwei Jahren schon entließ er einen Diözesanrat wegen
dessen Zugehörigkeit zu der Laienbewegung "Wir sind Kirche", Pfarrer
mussten gehen, wohl weil sie dem Bischof zu unkonventionell waren, dem
kritischen Regensburger Theologieprofessor August Jilek entzog er die
Lehrerlaubnis und im November löste Müller den Diözesanrat und die Dekanatsräte
im Bistum im Alleingang auf. So sind viele, die mit Müller zu tun haben oder
hatten, überzeugt: Mit Kritik kann der Bischof nicht umgehen.
Das bekommt nun auch die Mittelbayerische Zeitung zu spüren.
Traditionell schrieb der Bischof in dem Blatt eine Weihnachtsbotschaft. Doch
dieses Jahr wird es nichts mit dem Gruß des Oberhirten. Denn der zeigt sich ob
der Berichterstattung über Müllers Kontroversen mit den Laiengremien und über
Konflikte innerhalb des Ordinariats beleidigt. In seiner Absage nannte Müller
"die Vorgänge dieses Jahres" als Begründung.
Und nun nahm der rigide Bischofs auch den Straubinger Schulamtsdirektor Goetz
ins Visier. Der 60-Jährige wurde nach fast zehn Jahren als Verbindungsmann
zwischen den 140 katholischen Religionslehrern in Stadt, Landkreis und dem
Bistum von seinem Posten enthoben. Er hatte in einem Brief an Müller von einem
Klima der Verunsicherung im Bistum Regensburg geschrieben. Religionslehrer
scheuten sich offen ihre Meinung zu sagen - auch aus Angst um ihren Arbeitsplatz.
Zudem wollte Goetz wissen, warum die Pädagogen nicht mehr die Seminare des mit
Müller in Streit liegenden Professor Jilek besuchen dürften. Goetz bezeichnete
dies als eine "offensichtliche Einschränkung der freien Meinungsbildung
von Lehrkräften". Die Bistumsleitung war entrüstet und bezeichnete die
Kritik als "dreist und unverschämt". Bischof Müller beschwerte sich
im Kultusministerium. Dort war man der Meinung, der Beamte hätte einen solchen
Brief nur als Privatmann aber nicht als Schulamtdirektor schreiben dürfen. Er
habe sich in Religionsfragen eingemischt, die in die Zuständigkeit der Kirchen
fielen, hieß es.
Unterdessen geht auch die Diskussion um Müllers Auflösung des Diözesanrates
weiter. Nachdem die vatikanische Kleruskongregation dies ausdrücklich begrüßt
hatte, kritisierte am Wochenende der Präsident des Zentralkomitees der
Katholiken (ZdK), Hans Joachim Meyer, den Vatikan für seine Einmischung. Auf
einer Versammlung des aufgelösten Diözesanrats sagte er: "Die
Katholikenräten sind eine deutsche Einrichtung." Daher fühle sich der
Zentralrat von der Stellungnahme nicht betroffen. Meyer betonte, man könne
nicht ins 19. Jahrhundert zurückfallen. Iris Hilberth
Frankfurter Rundschau, 12.12.05, S. 4