"Wir sind innerhalb der katholischen
Kirche in einer merkwürdigen Atmosphäre der Vorbehalte", so Marx.
Bonn (KNA) Die Einheit der Kirche sieht
der Trierer Bischof Reinhard Marx dadurch gefährdet, dass manche Katholiken
Äußerungen des Papstes und der Bischöfe zunächst einmal mit Misstrauen
begegneten. "Wir sind innerhalb der katholischen Kirche in einer
merkwürdigen Atmosphäre der Vorbehalte", sagte Marx in einem am Mittwoch vorab
veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Rheinischer Merkur".
Es erschrecke ihn, sagte
der Bischof, dass er auch vor hauptamtlichen Mitarbeitern die "normale
kirchliche Lehre, etwa grundsätzliche Punkte zur Eucharistie", verteidigen
müsse. Glaube werde immer mehr zu einer privaten Angelegenheit erklärt, unter
dem Motto: "Niemand kann mir vorschreiben, was ich zu glauben habe!"
Die Kraft und Faszination des christlichen Glaubens müsse erst einmal wieder
die Katholiken erfassen, so Marx. Es sei eine gewisse Müdigkeit und Zähigkeit
erkennbar. Auch die "Kerntruppen" trauten ihrem Glauben zu wenig zu.
Kein Weg zu einer
"kurzatmigen Ökumene"
Der Bischof äußerte die
Überzeugung, dass der Kirche kein Weg zu einer kurzatmigen Ökumene offen stehe,
die alle theologischen Fragen emotional überspringen möchte. Das sei auch in
der Kirchengeschichte immer daneben gegangen. "Ich glaube, wir müssen uns auf
einen langen Weg einstellen", sagte Marx.
17.6.04
Quelle: http://www.katholisch.de/2315_5187.htm