Bischof Küng handelt: Seminar in St. Pölten geschlossen

 

Entscheidung, die Rom abgesegnet hat; wurde formal von Bischof Kurt Krenn getroffen. Feldkircher Bischof will Aufgabe bald beendet haben.

 

Am 23. Tag seiner Tätigkeit a1s Visitator in der Diözese St. Pölten hat der Vorarlberger Bischof Klaus Küng gestern eine erste schwer wiegende Maßnahme getroffen: Das Priesterseminar von St. Pölten wird "mit Sofortiger Wirkung" geschlossen. Küng hatte sich das Placet für die Schließung bei seinem überraschenden Besuch Rom vor zwei Wochen geholt.

 

Der sonst alemannisch zurückhaltende Küng nahm sich kein Blatt vor den Mund: Es habe "schwer wiegende Fehlentwicklungen gegeben", begründete er seine Entscheidung. Das sei spätestens durch die pornografischen Bilder deutlich geworden, die von einigen Seminaristen "geradezu suchtartig aus dem Internet heruntergeladen wurden".

 

In den letzten Jahren sei bei Aufnahmen ins Seminar "zu wenig auf die erforderlichen Aufnahmekriterien geachtet worden", formulierte der Visitator mit deutlicher Kritik an Bischof Kurt Krenn. Es sei für ihn sehr schmerzhaft gewesen, zu sehen, dass sich im St. Pöltener Priesterseminar "aktive homophile Beziehungen gebildet" hatten.

 

Nach Küngs Worten ist der "herzhafte Entschluss" zur Schließung des Seminars von Krenn gefasst worden. Dieser ist also formal immer noch entscheidungsberechtigt. Offen ist, wie es nun - vom Seminar abgesehen - in St. Pölten weitergeben soll. Er werde seine Aufgabe bald erfüllt haben, kündigte Küng an. Dann muss die Bischofskongregation in Rom eine Entscheidung fällen: Sie könnte Krenn - im Namen des Papstes - den Rücktritt ..nahe legen" oder ihn im Amt belassen. aber ihm einen Koadjutor beistellen. Diese ,.Minimallösung" würde höchstwahrscheinlich am „Problem Krenn" nichts andern.

 

Die Schließung des Seminars hat zur Folge. dass der Betrieb eingestellt wird. Von den zuletzt 36 Seminaristen haben sich im Sommer zwei abgemeldet. Die übrigen missen sich „auch zu ihrem eigenen Schutz" einem neuen Aufnahmeverfahren unterziehen. Noch nicht geklärt ist, ob die Priesteramtsanwärter in einzelnen dafür geeigneten Pfarren mitleben oder in andere Seminare eingegliedert werden. Die theologische Hochschule in St. Pölten bleibt weiter geöffnet.

 

HANS WINKLER

 

Nach: Kleine Zeitung, Klagenfurt, 13.8.04, S. 7

Vgl: www.kleinezeitung.at/kirche