Bischof Kamphaus fordert Wandel der Kirche
Limburg (dpa) - Der Limburger Bischof Franz Kamphaus hat angesichts der sinkenden Zahl von Gläubigen einen grundlegenden Wandel der katholischen Kirche gefordert. «Was mir mit am meisten Unbehagen bereitet, ist, dass die Kirche immer mehr zum Verein geworden ist, ein Verein neben anderen Vereinen», kritisierte Kamphaus in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). «Die Zeichen dafür, dass es so nicht mehr weitergeht, mehren sich.»
Am Sonntag (16.6.) feiert er den 20. Jahrestag seiner Bischofsweihe. Um wieder an Profil zu gewinnen, müsse die Kirche «das Christliche so klar wie nur möglich herausstellen», betonte der Bischof. Die Krise der Kirche resultiere nicht aus der mangelnden Anpassung an das Lebensgefühl moderner Menschen, sondern aus der mangelnden Anpassung an die Botschaft Jesu Christi. «Dadurch reißen wir auch niemanden mehr vom Stuhl», bemängelte Kamphaus. In manchen Gemeinden des Bistums sei nur noch die Hälfte der Kinder in den beiden großen Kirchen getauft - eine völlig neue Situation.
«Viele Jugendliche können den Glauben gar nicht mehr verlieren, weil sie ihn nie empfangen haben», berichtete der Bischof. «Es ist nicht mehr selbstverständlich, ein Christ zu sein.» Die finanziellen Mittel ermöglichten es der Kirche derzeit noch, eine bestimmte Gestalt von Kirche aufrecht zu erhalten. «Wenn die mal nicht mehr so da sind, kommt die Stunde der Wahrheit. Was ist dann?» Die Zukunft der Kirche liegt nach Einschätzung des Limburger Bischofs daher in «kleinen, überschaubaren Gemeinschaften». Damit stelle sich auch die Frage des Amtes neu. Das geweihte Amt sei aber «unaufgebbar».
Um nicht zu einem «Interessenverband» zu verkommen, müsse sich die Kirche an einem entscheidenden Kriterium messen lassen: «Sind wir für die da, an denen wir nichts verdienen können - die Armen?» Der Auftrag der Kirche sei eindeutig. «Kirche ist nicht für sich selbst da», erklärte Kamphaus. Allerdings färbten die Kennzeichen politischer Parteien - ihre Interessen zu verfolgen und ihr Klientel zu bedienen - stark auf die Kirche ab, kritisierte der Bischof. «Das ist aber das Gefährlichste: Dass Kirche sich davon infizieren lässt.» Beim Übergang in eine «neue Gestalt» solle die Kirche daher viel einfacher werden, forderte Kamphaus: «Die Gestalt des Glaubens und auch die der Kirche ist viel zu kompliziert. Wer blickt in unseren ganzen Regeln und Ordnungen noch durch? Mein Wunsch wäre, einfacher zu werden. Einfach Christ sein.»
12.6.02
Aus: Frankfurter Neue Presse, 12.6.2002
Quelle: http://www.rhein-main.net